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[RB 1.38.4] als ich aber allda ankam, fand ich die Sachen beiweitem anders stehen, als wie ich sie mir in Frankfurt vorstellte. „Das Volk war bedrückt und klagte laut über die Wortbrüchigkeit seines Regenten; die schwärzeste und geldsüchtigste Reaktion war allen Dynasten, und allen Aristokraten, Kaufleuten und Gold- und Silberjuden ohne Brillen von der Nase herabzulesen, das arme Volk wurde nur Luder und Canaillée benannt und gescholten, und Jeder, der mit dem armen über alle Maßen geistig und körperlich bedrückten Volke hielt, und ihm mit Gut, Blut, Rath und That helfen wollte, wurde als ein Volksaufwiegler und Meuterer aufgegriffen, und wie bekannt, ohne Gnade und Pardon um's irdische Leben gebracht, welche Ehre auch mir allerschnödest widerfuhr, was aber doch Niemand für eine Ehre halten wird?! Denn so man als ein sonst aller besseren und gebildeten Welt achtbarer und angesehener Mann, wie ein gemeinster Verbrecher vor den Augen gar vieler Menschen auf den Richtplatz hinausgeschleppt, und dort wie eine gemeinste Bestie erschossen wird, so glaube ich doch damit zur Genüge für jede Ehre, die einem je irgendwo zu Theil geworden ist, gedemüthigt worden zu sein?! -

[RB 1.38.7] Es mag wohl sein, daß Du mit mir alles dessen ungeachtet die besten Absichten hast; und so es mir möglich ist, das zu thun, was Du mir rathest, so kann das auch leichtlich mein größtes und ewiges Glück sein; aber nur das Einzige bedenke dabei, daß ich ein elendstes, und über alle menschlichen Begriffe unglückliches Wesen bin, das allerwahrst von allem, was das Gemüth aufrichtet und aufrichten könnte, vollends blank und leer ist, sonst wirst Du Deine sonst allerweisesten Lehren wenigstens also stellen, daß sie mich nicht allzusehr erschrecken und bngstigen möchten!

[RB 1.39.1] Rede Ich (Jesus): „Nun, nun, Mein liebster Freund und Bruder, das werde Ich auch nicht thun; wir bleiben schon beisammen; aber freilich in der Art, wie wir nun beisammen sind, könnte sich's für künftige Dauer wohl nicht gar zu leicht realisiren lassen! denn damit würde dir und Mir wenig geholfen sein.

[RB 1.43.7] (Robert:) „O Gott, o Vater! o Du allmächtigster Schöpfer nie geahnter Wunderwerke! wie solle denn ich reinstes Nichts vor Dir, Dich zu loben und zu preisen anfangen, und wo enden mit dem ewigsten Lobe?! Ach, ach, wie endlos groß muß Deine Weisheit und Macht sein, daß Du mit dem leisesten Winke solch eine Schöpfung zuwege bringen kannst?!

[RB 1.43.8] und doch stehest Du also bei mir da, wie ein anderer ganz gewöhnlicher Mensch! – „Ja, das erst macht Dich noch endlos größer, liebens- und anbetungswürdiger, daß Du äußerlich nicht mehr zu sein scheinest, als wie da ist ein ganz gewöhnlicher Mensch; aber so Du sprichst und gebietest, so entströmen Deinem Munde zahllose Welten, Sonnen, Engel und Myriaden anderer Wesen von nie geahnter Wunderpracht und Herrlichkeit!

[RB 1.45.5] Höret, ein Weiser auf Erden, der das Reich der menschlichen Ideen und Fantasien mit einer tiefdurchdachten Würdigung jahrelang durchprüfte, sprach in großer Entzückung: „Welch ein Reichthum, welch ein unversiegbarer Born von zahllosen Himmeln der Himmel ist in dessen kleines Herz gelegt, der auf der Erde auf zwei gebrechlichen Füßen einhergehet, und unter allen Thieren aufrecht gehend, sich Mensch nennt! „Könnte dieser Mensch alle seine Ideen durch ein göttlich Werde! realisiren, o! was Großes wäre es da, ein Mensch zu sein! und doch ist aller dieser Ideen- und Fantasienreichthum eines Menschen kaum nur ein gebrochenster und leisester Schimmer jener endlosen Fülle, Tiefe und Klarheit, die in Gott zu sein jedes tiefdenkenden Menschen Erkenntniß annehmen muß!

[RB 1.47.7] Und siehe, gerade das könnte auch bei diesen deinen Freunden der Fall sein; sie sind sämtlich 'Wiener', also Genußmenschen und Spektakelhelden; so wir ihnen stets eine Menge Wunderchen etwa in der Art eines Eskamotörs vormacheten, sie dabei recht gut bewirtheten, und ihnen auch eine Menge recht sauberer, rundgesichteter und dickschenklicher Jungferchen zuführeten, mit denen sie sich ganz ungenirt vergnügen könnten, wie es nur ihrer noch starken Sinnlichkeit am meisten zusagen möchte, da würden sie auch stets unsere besten Freunde sein, und wir möchten ihnen sogar unentbehrlich werden; aber so wir mit der Zeit nöthigster Weise denn doch etwas ernster zu reden würden anfangen, da würdest du dich hoch verwundern, wie sie uns Einer nach dem Andern gar schön möchten den Rücken zuwenden! „Es giebt dir unter diesen Wesen einige so gaile Böcke, daß sie allen Himmeln entsageten, so sie so einer recht üppigen Dirne sinnlich beiwohnen könnten; wir werden sie schon noch näher kennen lernen, und werden mit ihnen auch noch eine recht schwere Noth bekommen! aber durch eine recht weise Leitung können sie dennoch gewonnen werden! Ja Ich sage dir insgeheim: Einige werden sogar den ersten Grad der Hölle zu verkosten bekommen müssen, um von ihrer zu großen Weibergier los zu werden! „Wir werden zwar wohl alles eher noch versuchen, was sich nur immer mit ihrer Freiheit verträgt; aber so etwa am Ende dennoch alles das nichts fruchten möchte, da freilich wird leider zu dem äußersten Mittel geschritten werden! „Sei daher und darum ja recht vorsichtig, und verrathe Mich durch gar keine Miene, und suche sie vor allem auf ihre Sinnlichkeit und auf deren Folgen aufmerksam zu machen, so werden wir mit ihnen noch am leichtesten über Ort kommen. Ich werde sie schon auch bearbeiten; aber nur dürfen sie es, wie gesagt, noch lange nicht erfahren, Wer Ich bin. -

[RB 1.48.8] Nach einer Weile, als Robert sich über die Ohren an den verschiedenartigsten Unzuchts-Skandalen seiner Wiener Freunde satt grgert hat, spricht er zu Mir: (Robert:) „O Herr! nun hätte ich mich doch wahrlich grgert zur großen Uebergenüge; aber bei aller Deiner Heiligkeit, was wahr ist, ist wahr, diese echten Lumpen werden darum dennoch um kein Haar besser, und so sehe ich es nun wieder bei mir ein, daß es von mir selbst eine tüchtige Dummheit war, daß ich mich darüber grgert habe!

[RB 1.49.1] Während Robert noch solches kaum ausgeredet hat, kommen diese zwei Dutzend weiblicher Schönheiten eine nach der andern in das Zimmer zu uns Beiden, machen vor uns eine tanzmeisterliche Referenz, und fragen uns dann, „ob in diesem Prachtpalaste nicht etwa auch ein Theater sei, auf dem sie etliche Vorstellungen in der hohen Koreografie geben könnten?“

[RB 1.49.8] Mit der größten Gewißheit kann Ich euch daher sagen, daß sich in diesem ganzen großen Hause durchaus kein Theater, und ebenso wenig irgend ein Tanz- oder Springsaal befindet, außer an der ganz äußersten Nordseite eben dieses Hauses eine Art Rednerkammer mit einer Versenkung, durch die unlautere Geister, die sich Gottes Ordnung durchaus nimmer wollen gefallen lassen, ganz behaglich und wohlerhalten zur Hölle hinab können versenkt werden! So ihr dort eure Produktionen diesen Gästen da draußen wollet zum Besten geben, so kann euch diese Redner-, oder besser Haderkammer zur beliebigen Disposition gestellt werden! „Aber ihr müsset da sehr Achtung geben, daß ihr bei eurer Koreografie nicht in eine solche Versenkung stürzet; denn so ihr da hineinkommet, da dürftet ihr schwer wieder den Weg zurück finden! Habt ihr das verstanden?“

[RB 1.51.3] Den Andern zweien war diese Fortuna freilich sichtlich nicht so günstig, obschon sie mit Hülfe der Gänsekiele alles aufboten, um ihnen diese Göttin der Heiden geneigt zu machen; sie fochten mit den Waffen, die ihnen die Gänse gaben, gleich einem Simson herum, und schlugen damit eine Zeit lang gar sehr wacker, und ohne alle Schonung auf den Köpfen der sogenannten reaktionären Filister herum; aber es wollte an diesen Wunden, die sie ihren Feinden mit den Gänseschwertern beibrachten, Niemand sterben, und die Fortuna war auch so trotzig und eigensinnig, und wollte ihnen kein freundlichs Gesicht zeigen; das ärgerte sie sehr mächtig, daß sie darob die erste Waffengattung von sich warfen, und borgten sich dafür andere beim Mars aus, mit denen sie im Ernste Simsonische Filisterniedermachungseffekte zu bewerkstelligen vermeinten, und zwar aus dem Grunde, daß ihnen dadurch die für sie einzig göttlichste Fortuna geneigter werden möchte, als sie es früher war, wo sie blos die leichtere Waffengattung gebrauchten?! Aber da stand es bald noch ärger um die Beiden; die Fortuna wurde erbost, und warf ihnen am Ende so viele Kugeln unter die Füße, und machte den Boden, auf dem sie fest stehen wollten, so glatt und schlüpfrig, daß es für sie unmöglich ward, sich noch fernerhin aufrecht zu erhalten, sondern gleich jenen sonst gutmüthigen Thieren, die manchmal auch einen Tanz am Eise versuchen sollen, zu fallen; und ihr Liedchen an die Fortuna ist damit auch vollends zum Ende gekommen!

[RB 1.51.13] Sprechen die Tänzerinnen: „O ihr allerbesten und liebvollsten Freunde der armen Menschheit! so ein Verlangen wäre nun wahrlich die größte Tollheit von unserer Seite! Denn wir wollten ja nur darum allhier unsere armseligste Kunst in die Ausübung bringen, um uns durch sie möglicherweise so viel zu verdienen, daß wir mit dem Verdienste doch den brennendsten Hunger hätten stillen können! Da wir aber nun, Dank euch Beiden, bei euch auch ohne unserer beabsichteten Produktion die herzlichste Aufnahme fanden, da wäre es ja doch eine der größten Thorheiten von unserer Seite, so wir nur an so was gedenken möchten, davon wir nun nur zu sehr überzeugt sind, daß unsere genug elende irdische Kunst in euren sicher himmlisch reinen Augen ein Greuel ist! O, so ihr Beide uns nur stets so gnädig seid, wie ihr es bis jetzt waret, da wollen wir von unserer Kunst auch ewig nichts mehr hören und wissen! Dessen könnet ihr vollends versichert sein.“

[RB 1.53.3] nach einiger Weile dieses wie vergeblichen Suchens spricht Messenhauser ziemlich aufgeweckt: „Aber ich sage es ja immer, dieß wichtigste Dokument für unsere Unschuld ist bei den letzten unglücklichsten Affären rein verloren, oder wohl ganz und gar vernichtet worden! was nützt uns nun all unser Suchen; verloren ist verloren! Rettet uns sonst nicht ein guter Genius aus diesem unserem Gefängnisse, etwa bei Nacht und Nebel, so sind wir ohne weiteres verloren; denn bei diesen Rechtlern Gnade erwarten, wäre noch ein größerer Wahnwitz, als so man meinen würde: Eine ganze Heerde Tiger möchte einem Menschen nichts thun, der recht muthig mitten durch sie ginge! Wir sind nun schon einmal in den Händen der rechten Teufel, und da giebt es weder Gnade noch Erbarmen! Denn wo Minos, Eakus und Redamantus zu Gerichte sitzen, da steigen sogar dem Satan die Grausbirnen auf, geschweige uns dreien armen Sündern! Ihr werdet es sehen, es wird gar nicht lange hergehen, so wird ein sanfter Herr Auditor mit einem Profosen zu uns hereinkommen, und wird uns ein allerliebstes Todesurtheil vorlesen, und das mit einer so stoischen Gleichgültigkeit, als hätte er statt Menschen blos nur so ein paar Regenwürmchen vor sich, die zertreten werden sollen! Ich sage es euch, wir werden erschossen werden!“

[RB 1.53.11] Alle diese Erscheinungen bestärken mich immer mehr und mehr, daß wir uns nun richtig in einer Traum- oder Geisterwelt befinden müssen; aber was da in dieser sonderbaren Welt aus uns in der Folge wird, das ist freilich eine ganz andere Frage, die schier Keiner aus uns gar zu leicht beantworten wird!

[RB 1.55.7] Spricht Jell.: „Ja, ja, mein Freund; das ist aber auch etwas ganz anderes; denn siehe, auch mich foltert ein ähnliches Vorgefühl; aber weißt du, das darf nie einen großen Geist geniren. Wenn ich mir jene schöne Flasche Wein so recht von Angesicht zu Angesicht besehe, und das schöne Waizenbrod daneben, und mein zwar nun geistiger, aber dessen ungeachtet appetitvoller Magen auch eine sehr bedeutende Sehnsucht kund zu geben anfängt, und gewisser Art sagt: das könnte deinen Räumlichkeiten sicher bestens bekommen! o, da möchte ich schon lieber draußen an selbem Tische mich befinden, als hier in eurer Trema-vollen Gesellschaft! Was solle mich aber eigentlich hier auch noch länger zurück halten? – frisch gewagt, ist allzeit noch gewonnen gewesen! daher also vorwärts, Hurrah!“

[RB 1.57.2] Messenhauser nimmt das Wort und spricht: „Ja, wahrhaftig, ja wahrhaftig; Deine Anspielung ist wirklich nahe so trefflich wie dieser Wein hier! O Herr! ist das aber ein Wein?! – Bruder Blum, weißt du, in diesem Hause ist gut sein; ich glaube, wir sollen uns hier geradeaus für ewig einquartieren! – denn wo es in einem Hause, ob in der materiellen oder geistigen Welt, so ein Brod und so einen Wein giebt, da ist es schon ein für alle Male non plus ultra gut sein; daher bleiben wir hier in diesem Hause nur gleich für ewig, wenn es sein kann, beisammen! Sollte sich etwa dann und wann so uns gleich ein armer Sünder einfinden, d. h. wie wir, natürlich mit Ausnahme dieses unseres bisher namentlich noch unbekannten Freundes, es waren, und eigentlich noch sind, so wollen wir ihn aufnehmen, und ihm hier, wie man zu sagen pflegt, einen guten Tag angedeihen lassen, und wenn's auch einer unserer ärgsten irdischen Feinde wäre. – Was meinet ihr in dieser Sache?“

[RB 1.57.14] Spricht Jell.: „Allerdings; wäre nicht Gottes Zartheit in dem Weibe, wer könnte sie lieben? Aber daß dessen ungeachtet diese Liebe auch ausarten kann, daran ist gar nicht zu zweifeln.“

[RB 1.58.6] Ich meine, liebster Bruder, daß dieser von mir nun ganz offenherzig angeführte Grund meines Mißbehagens beim Anblicke solcher Produktionen allerdings beachtenswerth zu nehmen ist, obschon er nicht so ganz eigentlich die Quelle meiner Wehmuth war, die, wie schon gesagt, stets meine Gefährtin nach solchen Produktionen war, – die ich zwar allezeit sehr eifrig besuchte, – aber allezeit den gleichen Lohn davon trug. Die eigentliche Quelle meiner ominösen Wehmuth bei und hauptsächlich nach solchen Produktionen war, wie ich's nun recht deutlich wahrnehme, der gute Gedanke, durch den ich so eine wohlgestaltete Tänzerin wie durch ein magisches Theaterperspektiv als einen gefallenen Engel ansah! –

[RB 1.60.5] Wenn ihr, lieben Freunde, es nicht zu sehr unter eurer Würde fändet, auch uns armen weiblichen Kreaturen bei manchen Gelegenheiten von Gott nur eine etwas bessere Vorstellung zu geben, als wie sie uns auf der Erde gegeben ward, da würdet ihr uns eine überaus große Freude machen!

[RB 1.61.1] Sprechen die Tänzerinnen: „O du lieber, weisester, wahrhaft in das innerste Wesen des menschlichen Lebens eingeweihtester Freund! Gar wohl haben wir dich verstanden! Du hast das, was wir oft dunkel geahnt haben, uns zur klaren Anschauung gestellet; – o – wie sollen wir dir dafür je genugsam danken können!?

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