Help

jakob-lorber.cc

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Treffer 0 - 20 von 17411

[FL 0.1] Es ist gut, öfter auf so Manches seine Gefühlsaugen zu richten, und zu gewahren da Meine Liebe und Weisheit; und wäre der zu betrachtende Gegenstand noch so gering; denn es liegt doch immer etwas Unendliches darinnen, und so ist es auch würdig eines geistigen Blickes, da Alles, worinnen sich Unendliches birgt, von Mir ein Atom ist, in dem ein ewiges Sein waltet. —

[FL 0.2] So Ich euch nun in einem kleinen Liede eine unbeachtete Fliege etwas vorsumsen lasse, so denket, daß auch dieses geringfügige Thierchen nicht zu den Ungezählten gehört; denn so Mir die Atome des Lichtes und die Monaden des Aethers durch alle Unendlichkeiten und Ewigkeiten genau zahlenweise bekannt sind, wie soll es eine Fliege nicht sein, zu deren Bildung doch mehr als eine ganze Milliarde der Atome nöthig ist! Daher lassen wir eine Fliege ein wenig sumsen.

[FL 0.3] Es sumset die muntere Fliege in lustiger Weise / Ein artiges Liedchen Mir mächtigem Schöpfer zum Preise; / Sie sumset in wonniger Freude gar sinnig von Liebe, / Und kreiset im Meere derselben aus innerem Triebe, / Und redet gar deutlich vernehmliche Worte der Gnade, / Und kündet und zeiget zu gehen euch — ärmliche Pfade.

[FL 0.4] Nun sehet das Thierchen, wie munter und fröhlich es kreiset, / Und wie es ganz sorglos, gehorsam dem Triebe sich weiset, / In dankbarer Haltung der Richtung, die Ich ihr gegeben; / Und nie wird sie, so wie ihr, nach dem Verbotenen streben, / Ich sage, umsonst ist es nicht euch so nahe gestellet, / Und ob auch das Mittel wohl klein — ist's von Mir doch erwählet!

[FL 0.5] Ein Flügelpaar, zart, gleich dem Aether, hab' Ich ihr gegeben, / Damit sie sich sollte gar leicht in die Lüfte erheben, / Und kreisen da munteren Flugs in den Strahlen der Sonne, / Und saugen da Licht mit den Äuglein der goldenen Krone, / Dann tragen dasselbe zum Leben der toten Gebilde / Und zeugen der Härte von Meiner belebenden Milde.

[FL 0.6] So hab' auch gegeben Ich weise ihr sechs leichte Füße, / Und hab' ihr gegeben, damit sie empfinde die Süße / Des Lebens, zum Saugen der Kost einen tauglichen Rüssel. — / Und seht, was Ich nun euch gesaget, nehmt es als Schlüssel, / Und denket im Herzen wohl über die Fliege; / Ich sage — die Fliege, die Fliege — sie singt euch vom Siege!

[FL 0.7] Seht, das sei euch unterdessen eine kleine Aufgabe; diese sollet ihr in freier, Mir geweihter Zeit ausarbeiten. Dieses kleine unbedeutende Thema habe Ich euch gegeben, damit eure Demuth eine gute Nahrung fände; im Folgenden aber wird euch dieses Thierchen von Mir ohnehin ein Zeugnis der Natur vorführen vom Grunde aus, Amen. Ich, dem alle Dinge wohlbekannt sind, gebe euch dieses. Amen, Amen, Amen!

[FL 1.1] Die Fliege, ein kleines Thierchen zwar, und nicht selten lästig dem Menschen, wie auch vielen andern lebenden Geschöpfen der Erde, besonders zu jener Zeit des Jahres, da der Sonne Strahlen heftiger den Boden der Erde berühren, ist aber dennoch in der Ordnung der Dinge so unbedeutend nicht, und auch nicht also zwecklos, als sie eben zu sein scheint.

[FL 1.2] Um das Alles vollkommen und nützlich einzusehen, wollen wir eine kleine Vorbetrachtung über die natürliche Beschaffenheit dieses Thierchens machen.

[FL 1.3] Es wäre wohl überflüssig, euch die Gestalt der eben zu besprechenden Fliege der Form nach kund zu geben, nachdem ihr doch schon ganz sicher werdet mehrere Fliegen gesehen haben; aber ihre denkwürdigen Einzelnheiten und die Art ihrer Entstehung sind da auf keinen Fall zu umgehen, sondern mit recht vielem Fleiße und aufmerksamen Geistes zu beachten.

[FL 1.5] Es wissen zwar Naturgelehrte, daß die Fliege eine Art Eier lege, welche also klein sind, daß sie vom menschlichen Auge kaum wahrgenommen werden, und haben daher auch ein so geringes Gewicht, daß sie gleich dem Sonnenstaube sich gar leicht in der Luft schwebend erhalten können.

[FL 1.6] Wohin aber legt die Fliege ihre Eierchen? — da die Zahl dieser von einer Fliege gelegten Eierchen nicht selten Millionen übersteigt, und wo, und wie werden sie ausgebrütet? — Ihr habt sicher noch nie eine junge Fliege gesehen; die Mücklein aber sollet ihr ja nicht für junge Fliegen ansehen.

[FL 1.7] Sehet, die Fliege legt ihre Eier, so sie einmal legreif geworden ist, überall hin, wo sie sich nur immer hinsetzt, und kümmert sich dann weiter gar nicht mehr, was mit ihnen geschieht; Millionen werden von den Winden in alle Weltgegenden geführt und zerstreut; Millionen kommen in das Wasser, ja, ihr könnet euch beinahe kein Ding auf der Erde denken, das da verschont bliebe von den Eiern der Fliege; so wie der Fliege selbst kein Ding gewisser Art zu heilig ist, darum sie sich nicht auf dasselbe setzen, und dasselbe beschnüffeln möchte. Also ist außer der glühenden Kohle und der lodernden Flamme auch beinahe kein Ding, das sie nicht mit ihren Eierchen beklecksen möchte.

[FL 1.8] Wohin sonach die Fliege ihre Eierchen legt und wie sie aussehen, wüßten wir jetzt schon; wie sie aber ausgebrütet werden? und wie viele von den unzählbar gelegten, davon soll sogleich die Rede sein.

[FL 1.9] Alle diejenigen Eierchen, welche entweder an feuchten Mauerstellen der Häuser, vorzugsweise der Thierstallungen, oder an faulem Holze, oder was immer anderem, Moderfeuchtigkeit Haltendem, gelegt werden, kommen fast meistens davon, was aber da ein Raub der Winde und des Wassers geworden ist, davon werden freilich wohl unbeschreiblich wenige zu Fliegen ausgebrütet; obschon dessen ungeachtet nichts verloren geht, daß es eine andere weise Bestimmung verfehlen sollte, ja sogar diejenigen nicht, welche von Menschen und Thieren nicht selten zu Millionen mit einem Athemzuge eingeathmet werden; — doch lassen wir diejenigen, welche denen andern vielen Bestimmungen zugeführt werden, und wenden uns sobald zu denjenigen, welche da ausgebrütet werden.

[FL 1.10] Wie also werden denn diese ausgebrütet?

[FL 1.11] Sehet, wenn die Sonne einmal hinreichend die Erde zu erwärmen anfängt, da fangen diese Eierchen auch an zu wachsen, bis sie einmal so groß werden, daß sie auch ein mittelmäßig scharfes Auge zu entdecken im Stande ist, und zwar als einen weißlich blauen Blumenstaub, natürlich an den Stellen nur, da sie von der Fliege hingelegt wurden; das ist dann die Zeit der Ausbrütung, welche also vor sich geht:

[FL 1.12] Die Eierchen springen da auf, von den erwachten Geistern der in einem solchen Eierchen angesammelten, ordnungsmäßigen Vorgangsthierchen genöthigt. Diese Geister vereinigen sich in der Gestalt eines kaum sichtbaren kleinen weißlichten Würmchens zu einem Leben. Dieses Würmchen nährt sich dann einige Tage von der Feuchtigkeit der Stelle, da es ausgebrütet wurde, welche Nahrungszeit eben nicht gerade bestimmt ist, sondern allzeit von dem Umstand der Reichlichkeit des vorhandenen Nahrungsstoffes abhängt.

[FL 1.13] Jedoch bis daher geht es mit der Zeugung der Fliege ganz natürlich vor.

[FL 1.14] Ich habe euch aber gleich Anfangs gefragt, ob ihr noch nie eine junge Fliege gesehen habt? — Sehet, darin liegt das eigentliche Wunder dieses Thierchens begraben: Es ist auf einmal da, und ganz vollkommen ausgebildet, und Niemand weiß nun, woher es kam, und wo dessen Geburtsort ist;

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Mobile Ansicht Impressum