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[FL 0.2] So Ich euch nun in einem kleinen Liede eine unbeachtete Fliege etwas vorsumsen lasse, so denket, daß auch dieses geringfügige Thierchen nicht zu den Ungezählten gehört; denn so Mir die Atome des Lichtes und die Monaden des Aethers durch alle Unendlichkeiten und Ewigkeiten genau zahlenweise bekannt sind, wie soll es eine Fliege nicht sein, zu deren Bildung doch mehr als eine ganze Milliarde der Atome nöthig ist! Daher lassen wir eine Fliege ein wenig sumsen.

[FL 1.7] Sehet, die Fliege legt ihre Eier, so sie einmal legreif geworden ist, überall hin, wo sie sich nur immer hinsetzt, und kümmert sich dann weiter gar nicht mehr, was mit ihnen geschieht; Millionen werden von den Winden in alle Weltgegenden geführt und zerstreut; Millionen kommen in das Wasser, ja, ihr könnet euch beinahe kein Ding auf der Erde denken, das da verschont bliebe von den Eiern der Fliege; so wie der Fliege selbst kein Ding gewisser Art zu heilig ist, darum sie sich nicht auf dasselbe setzen, und dasselbe beschnüffeln chte. Also ist außer der glühenden Kohle und der lodernden Flamme auch beinahe kein Ding, das sie nicht mit ihren Eierchen beklecksen chte.

[FL 1.9] Alle diejenigen Eierchen, welche entweder an feuchten Mauerstellen der Häuser, vorzugsweise der Thierstallungen, oder an faulem Holze, oder was immer anderem, Moderfeuchtigkeit Haltendem, gelegt werden, kommen fast meistens davon, was aber da ein Raub der Winde und des Wassers geworden ist, davon werden freilich wohl unbeschreiblich wenige zu Fliegen ausgebrütet; obschon dessen ungeachtet nichts verloren geht, daß es eine andere weise Bestimmung verfehlen sollte, ja sogar diejenigen nicht, welche von Menschen und Thieren nicht selten zu Millionen mit einem Athemzuge eingeathmet werden; — doch lassen wir diejenigen, welche denen andern vielen Bestimmungen zugeführt werden, und wenden uns sobald zu denjenigen, welche da ausgebrütet werden.

[FL 1.18] Sehet, das wäre demnach die Geburt, oder vielmehr die gewiß nicht wenig merkwürdige Entstehung der Fliege, und muß jedem Beobachter wunderbar genug vorkommen. Allein dieses Alles ist dessen ungeachtet noch das am wenigsten Wunderbare bei diesem Thiere. Was da noch folgen wird, in der glichen Kürze, darüber werdet ihr euch erst groß erstaunen und verwundern, und so lassen wir dieses Merkwürdige an einem nächsten Tage folgen.

[FL 2.2] Wie ist aber solches diesem Thiere glich, nachdem seine Füße, obschon jeder in zwei sehr kleine spitzige Krallen auslaufend, dennoch äußerst glatt sind? —

[FL 2.3] Sehet, das ist schon etwas Wunderbares, wenn ihr bedenket, daß auf einer aufrechtstehenden polirten Fläche ohne ein klebriges Bindungsmittel nicht einmal das allerleichteste Federflaumchen hängen bleibt, wie demnach der Fliege solches glich sein kann, ohne Beihilfe eines klebrigen Mittels.

[FL 2.12] Wenn demnach die Fliege sowohl verge ihrer Entstehung als vorzugsweise zufolge ihres Fortbestehens und allerzweckdienlichsten Gebrauches aller ihrer lebensfähigen Bestandtheile und ganz besonders zu Folge ihrer noch bis jetzt ganz unbekannten doppelten Nützlichkeit eine wunderbare, ja großwunderbare Erscheinung von Mir benannt wird, so kann ja das Gehen einer Fliege auf einer polirten Fläche mit beiweitem größerem Rechte ein Wunder genannt werden, — wovon sich jeder Mensch noch täglich überzeugen kann, wenn er je nur einigermaßen diese Erscheinung in seinem Herzen gewürdiget hat, — als der Einsturz der Mauern Jericho's durch den Posaunenschall, unter Anführung Josua's.

[FL 2.14] Urtheilet demnach wieder selbst, welches Wunder da in Beziehung auf euch größer und wichtiger ist? — Ich meine aber, eine an eueren Ohren vorübersummende Fliege, eine zirpende Grille, ein zwitschernder Sperling und ein bescheidenes Frühjahrs-Veilchen singen einem liebeverständigen Herzen nicht minder ein erhabenes hohes Lied zu Meinem Lobe, denn Salomo in all' seiner Weisheit und königlichen Pracht!

[FL 2.15] Salomo's Weisheit ist wohl eine hohe Weisheit Denen, die selbst in der Weisheit Salomo's sich befinden; aber in dem Liede der lebendigen wie auch stummen Natur liegt Größeres und auch endlos Tieferes, denn in aller Weisheit des Sohnes Davids!

[FL 2.16] Und so erzählt euch eine Fliege in ihrem raschen Fluge wunderbar, welche heilige Kraft ihre leichten Schwingen in Bewegung setzt, und trägt durch diese wohlgemuth das Wunderthierchen nach allen glichen Richtungen hin und her, auf und ab, und sagt euch noch allezeit hinzu: „So der heilige Vater schon solches endlos erhaben Wunderbares thut an mir winzigem verachteten Thierchen, was wird Er erst an euch, Seinen Kindern alles tun?“

[FL 3.11] Sehet, diese Millionen und Millionen Fliegen sind allda beauftragt, das von der Sonne zu reichlich ausgeströmte sogenannte elektrische Feuer aufzuzehren, und es auf diese Weise zu schwächen, damit es sich nicht durch die eigene Überladung in sich selbst entbinde, und dadurch einer ganzen Welt einen Garaus mache; denn sehet, dieses elektrische Feuer ist ein überaus mächtiges Feuer; es versteht sich von selbst, in seiner bejahenden Sphäre; so lange die verneinende Elektrizität eines Erdkörpers im Gleichgewichte zu der bejahenden steht, die da entwickelt wird aus den Strahlen der Sonne, so lange ist keine Entbindung der bejahenden Elektrizität glich. Wenn aber die bejahende nur um ein Tausendstel die verneinende übersteigt, so ist auch eine freie Entbindung der bejahenden so gut als gänzlich unverhinderlich. Wie wird sonach einem solch allgemein verheerenden Übel vorgebeugt? —

[FL 3.12] Sehet nun unsere Thierchen an, wie sie da allerfleißigst nach allen glichen Richtungen hin- und herschießen und saugen in ihrem schnellen Fluge die Mehrheit der bejahenden Elektrizität in sich, allwo ihre Polarität sobald verkehrt wird, indem diese Thierchen das Positive, das da gleich ist dem Sauerstoffe, in sich verzehren, den negativen Theil aber also wieder aushauchen, wie der Mensch den Stickstoff der in sich gesogenen atmosphärischen Luft, sobald die Lunge den Sauerstoff aus derselben zur Ernährung des Blutes aufgenommen hat.

[FL 3.13] Aber ihr chtet Mich da fragen: Ja, vergen denn diese Thierchen wohl so viel auszurichten?

[FL 3.14] Und Ich sage euch darauf: O ja, Meine Lieben! Denn sehet, eine einzige Fliege verkehrt an einem heißen Sommertage so viel bejahender Elektrizität in sich, daß, so diese könnte in ein Gefäß gesammelt werden, sie hinreichend kräftig genug wäre, in einem Augenblicke einen zehnmal größeren Berg, als euer Schloßberg ist, in Staub zu verwandeln. Also wie auch mit der Menge der Luft, welche ein Mensch in einem Tage aus- und einhaucht, wenn sie sich entzünden würde, ganz Europa könnte also zerstört werden, daß es seine jetzige Gestalt so ganz und gar einbüßen würde, darum dann Niemand erkennen chte, daß es einstens war, oder wie es jetzt ist, ein wohlbevölkertes und fruchtbares Land.

[FL 4.2] Sehet, Meine lieben Kleinen, es wird euch im Sommer öfter wohl recht lästig werden, wenn so in einem Zimmer recht viele Fliegen herumfliegen und euch belästigen; besonders wenn sie so recht zudringlich werden. Allein deswegen soll dieses Thierchen Niemand schelten, denn an eben solchen Tagen verrichtet es einen sehr wichtigen kleinen Nebendienst, und zwar am allermeisten nützend dem Menschen, wie auch andern Thieren des Hauses, welche der Mensch zu seinen Diensten verwendet. Ihr chtet wohl schon gerne wissen, worin dieser nützliche Nebendienst besteht? Aber nur eine kleine Geduld, denn es gehört noch eine kleine Erinnerung voraus, dann aber sollet ihr es sogleich haben.

[FL 4.3] Sehet, Meine lieben Kindlein, an einem solchen sehr warmen Sommertage, besonders zu einer Zeit, wo ihr irgend bemerket, daß das Quecksilber in der Wetterröhre sehr nieder steht, werden zahllose Milliarden und Milliarden von atomischen Thierchen aus dem niederstehenden Aether (Aetherthierchen) in die atmosphärische Luft ausgeboren, denen zu Folge ihr nicht selten die Luft also bläulich verdichtet ersehet, daß es euch schwer wird, auch nur einige Stunden entfernte Gegenden auszunehmen.

[FL 4.7] Wenn daselbst diese Thierchen hineindringen, so nehmen sie gegen die vom Blute aufgenommenen einen positiven Charakter an; so lange dieser äußere Pol den innern Pol nicht überwiegt, so lange ist auch keine Gefahr vorhanden, was z. B. bei einer mittleren Temperatur der Fall ist; überwiegt aber dieser äußere Pol den innern nur um ein Millionstel, dann ist es mit dem naturmäßigen Leben auch schon die höchste Gefahr, da sich bei dieser Gelegenheit in dem Menschen entweder eine Polverkehrung veranstalten könnte, welches dann ebenso gut wäre, als so jemand sich mit einer Nadel stechen chte, die er zuvor getaucht hätte in die allerdichteste Blausäure.

[FL 4.8] Würde aber der äußere positive Pol plötzlich bis zu einem hundertsten Theile überwiegend gegen den innern negativen Pol, sodann geschähe plötzlich eine sichtbare elektrische Entladung, durch welche der Mensch binnen wenigen Augenblicken also vernichtet werden chte, daß da von seinem ganzen Leibe nichts als eine halbe Hand voll übelriechender Asche übrig bliebe.

[FL 5.2] Aber ganz anders verhält es sich mit schon ganz bejahrten Menschen, deren Glieder schon vieles mitgemacht haben, und daher auch steifer, mühseliger und schläfriger geworden sind. Wenn bei denen die sie umgebende Luft an einem solchen Tage ihres Lebensstoffes hinsichtlich auf ihren Bedarf ermangelt, so tritt dann auch sobald die erwähnte Schläfrigkeit ein, und ein solcher Mensch vermag sich da nicht aufrecht zu erhalten. Damit ihr aber das Nachtheilige solchen Schlafes vollkommen ersehen get, so ist es nothwendig, einen Blick vorher auf den natürlichen Schlaf des Menschen zu werfen.

[FL 5.5] Der negative Pol des Lebens aber entspricht ganz vollkommen dem gleichen der Erde. Wie dieser aber an und für sich der natürlichen Lebensthätigkeit widerstrebet, also auch der entsprechende im Menschen, indem er die positive Elektrizität im Menschen mehr und mehr aufzehrt, und dieser somit die äußere Lebensthätigkeit auch mehr und mehr verliert; bei welcher Gelegenheit dann zuerst jene zarten, beweglichen Theile, als z. B. die Augenlider sind, diesen Nachlaß verspüren, und sich darum auch nicht mehr aufrecht zu erhalten vergen, und bald nach ihnen sonach auch alle andern Theile des Leibes in denselben geschwächten Zustand übergehen, welcher Zustand dann den natürlichen nächtlichen Schlaf bei den Menschen ausmacht. Fängt dann wieder der Morgen und der Aufgang der Sonne sich zu nähern an, so vermehrt sich auch, oder wird stets stärker und stärker der positive Pol, und der Mensch wird geweckter und geweckter, d. h. sein Schlafzustand wird schwächer, welches Abnehmen der negativen Polarität und verhältnißmäßiges Zunehmen der positiven so lange andauert, bis der Mensch vollkommen wach wird.

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