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Kapitel 1 Die natürliche Sonne

(Am 8. August 1842 von 3 1/4 bis 5 1/4 Uhr Nachmittags.)

1. Es wird hier nicht nöthig sein, wie allenfalls bei der Darstellung eines andern Sternes, den Standort eben dieses leuchtenden Sternes näher zu bestimmen, indem solches ja jeder Tag ohnedieß überaugenscheinlich thut. Daher wollen wir zuerst die Frage stellen und lösen: Was ist die Sonne? — Nach der Löse dieser Frage wird sich Alles leicht ordnen und gewiß wunderklärlich darthun lassen; und somit stellen wir diese Frage noch einmal, und fragen: Was ist die Sonne? —

2. Die Sonne ist wohl in Hinsicht auf die um sie kreisenden Planeten ein Fixstern, für sich selbst aber ist sie nur ein vollkommener Planet, indem auch sie, wie die Erde mit ihrem Monde um eben diese Sonne kreiset, um den euch schon bekannten Central-Sonnenkörper mit allen sie umkreisenden Planeten sich bewegt, welche Reise aber freilich etwas länger dauert, als die der Erde um die Sonne; denn sie braucht zur Vollendung dieser großen Bahn nahe 28000 Erdjahre.

3. Somit wüßten wir, daß die Sonne nicht pur Sonne, sondern daß sie vielmehr ist ein vollkommener Planet, der da im Verhältnisse zu seiner weltkörperlichen Größe auch in eben dem Verhältnisse mit mehr Licht umflossen ist, als jeder ihn umkreisende bei weitem kleinere Planet.

4. Wenn die Sonne aber selbst an und für sich ein vollkommener Planet ist, so muß sie auch ganz sicher alle jene planetarischen Bestandtheile im vollkommensten Maße in sich fassen, welche auf all’ den anderen kleinern sie umkreisenden Planeten in sehr verminderten Potenzen vorkommen; und so muß in der Sonne zu finden sein in großer Vollkommenheit, was in viel kleinerer Form, und somit auch viel unvollkommener, entweder im Planeten Merkur, Venus, Erde und ihrem Monde, in dem Mars, in den vier kleinen Particularplaneten Pallas, Ceres, Juno und Vesta, in dem Jupiter und dessen vier Monden, im Saturnus, dessen Ringe und sieben Monden, im Uranus und dessen fünf Monden und in einem noch entfernteren Planeten und dessen drei Monden [* Siehe Dictat No. 65 vom 10. Nvbr. 1842 *], und endlich in allen den bei 12,000 Millionen Kometen, welche in weitesten Distanzen sich noch um diese Sonne bewegen, vorkommt;

5. oder mit kürzeren Worten gesagt: Der vollkommene Planet Sonne ist der naturmäßig vollkommene Inbegriff aller seiner Weltkinder, oder in diesem vollkommenen Planeten kommt alles Dieses selbst in naturmäßiger Hinsicht lebendig vollkommener vor, als es da vorkommt in was immer für einem Planeten, Monde und Kometen. So wollen wir alsogleich des besseren Verständnisses wegen einige Beispiele hinzufügen. —

6. Das Erdreich eures Planeten ist todt, hart, steinig, und ist nicht fähig ohne das Licht der Sonne Etwas hervorzubringen; das Erdreich der Sonne hingegen ist sanft und mild, ist nicht steinig und nicht sandig, sondern es ist also weich, wie da ist das Fleisch eines Menschen, oder damit ihr es noch besser verstehet, es ist fast allenthalben elastisch, so, daß da Niemand, der allenfalls am Boden hinfallen würde, sich irgend schmerzlich beschädigen möchte, denn er fiele da gerade also, als über mit Luft gefüllte Polster. Dieses Erdreich ist aber bei dieser Beschaffenheit nicht etwa also zähe, wie bei euch allenfalls das sogenannte Gummi elasticum, sondern in dessen kleinsten Theilen schon, welche an und für sich lauter mit dem wahrhaften Lebensäther gefüllte Hülschen sind.

7. Solches ist zwar wohl bei dem Erdreiche eures Planeten auch der Fall, aber die Hülschen sind an und für sich zu spröde und geben bei einem Stoß oder Falle nicht nach, sondern sprossen sich dadurch nur fester aneinander, und wenn sie viele Jahre hintereinander ungestört also neben- und übereinander geschichtet liegen, so ergreifen sie sich endlich so hartnäckig, daß sie dann dadurch, zu Folge eben dieser gegenseitigen Ergreifung, gänzlich zu Stein werden, und in diesem Zustande dann auch natürlicher Weise noch einen beiweitem hartnäckigeren Widerstand leisten, denn zuvor, da sie noch gesondert lockerer über einander lagen; aus welchem Grunde dann auch die Vegetation auf einem oder dem andern Planeten viel kümmerlicher sein muß, als auf dem vollkommenen Sonnenplaneten.

8. Denn auf einem Planetenerdkörper, wie z. B. eure Erde es ist, muß ein oder der andere mit einem lebendigen Keime versehene gröbere Same erst im Erdreiche verwesen, und muß eben durch diesen Act die ihn umgebenden Erdhülschen zur Mitverwesung oder vielmehr zur Weichwerdung nöthigen, damit dann der frei gewordene lebendige Keim sobald aus diesen erweichten Erdhülschen seine ihm zusagende ätherische Nahrung saugen kann; sodann aber muß er sobald eine Menge Wurzeln zwischen die Erdhülschen hinein treiben, diese dadurch erweichen, dann durch sein Zunehmen in seinem Volumen hartnäckig zerdrücken, um dadurch die fernere nöthige Nahrung zu seinem Pflanzenwachsthume zu gewinnen.

9. Ist Solches auch auf dem vollkommenen Sonnenplaneten nöthig? — Sehet, da herrschet ein großer Unterschied; weil das Erdreich dieses Planeten so sanft, zart und mild ist, so ergreifen sich die was immer für einer Pflanze gehörigen Theile, ohne Samen schon unmittelbar im Erdreiche selbst, und sprossen über dasselbe in den zahllosesten, verschiedenartigsten und nützlichsten Gewächsen empor, deren Schönheit, Güte und Nützlichkeit alles Erdenkliche auf allen andern Planeten um’s so Vielfache übertrifft, als die Sonne mit ihrem Licht und mit ihrer Größe alle diese ihre Weltkinder überragt.

10. In der Sonne hat dann weder ein Baum, welcher Art er auch immer sein möchte, noch ein Gesträuch, noch eine Pflanze Wurzeln und Samen, sondern Alles wächst und entsteht allda nahe auf die Art, wie bei euch das ursprüngliche Steinmoos, die Schimmelpflanze und die Schwämme; nur sind diese Gewächse nicht also vergänglich und von so kurzer Dauer, wie die früher benannten auf eurem Erdkörper, sondern, wo solche Kräfte irgend Etwas erwachsen lassen, da wächst es dann immerwährend fort. Und wenn solches Gewächs auch von den natürlichen Sonnenbewohnern gewisser Art abgehauen wird, so wird es dadurch nicht getödtet, sondern der abgehauene Baum oder die abgenommene Pflanze erneut sich sobald wieder; denn da die Wurzeln eines solchen Gewächses nicht also grob materiell, sondern nur gleich sind feurigen Aether-Adern, so ergreift sich nach der früheren Wegnahme solche vegetative Kraft wieder, und wächst in neuer Pracht und Herrlichkeit empor.

11. Es dürfte sich hier Mancher denken und sagen: Ja, wenn da die Gewächse auf diese Weise nicht ausrottbar sind, werden sie da nicht bald jeden Flächenraum dieses Planeten so stark in Beschlag nehmen, daß dann neben ihnen kein anderes frei wandelndes Wesen wird bestehen können? —

12. Solches aber ist allda durchaus nicht der Fall; denn die naturmäßigen Menschen dieses vollkommenen Planeten haben auch eine noch viel stärkere Willenskraft, als da ist die vegetative Triebkraft des Sonnenerdbodens. Aus diesem Grunde wächst dann auf der Sonne auch weder ein Baum, noch ein Gesträuch, noch eine Pflanze oder ein Grashalm ohne das Hinzuthun des menschlichen Willens; der menschliche Wille ist sonach das alleinige unendlich viel- und verschiedenartige Samenkorn für alle Vegetation auf diesem vollkommenen Planeten. Daher wächst nur da z. B. ein oder der andere Baum, oder eine Pflanze aus dem Erdboden der Sonne, wo ihn ein Sonnenmensch haben will, und wie gestaltet er ihn haben will; daher auch giebt es auf diesem vollkommenen Planeten durchaus keine bleibende gleichförmig vorkommende Art im Reiche alles Pflanzenthums, sondern diese richtet sich allzeit nach dem jewaigen Wollen eines oder des andern Menschen. Wann ein Mensch irgend einen Baum oder eine Pflanze durch seinen Willen aus dem Boden gerufen hat, so kann sie kein Anderer vertilgen, außer nur Derjenige, der sie hervorgerufen hatte, oder ein Anderer nur dann, wenn er von dem Zeuger willensbevollmächtiget wurde.

13. Aus eben diesem Grunde herrscht dann auch auf der Sonnenerde eine wahrhaft unendliche Mannigfaltigkeit im Reiche des Pflanzenthums; denn bei zwei nächsten Nachbarn schon finden sich nicht zwei gleichartige Pflanzen vor, sondern ein jeder entlockt auf dem Boden, den er bewohnt, auch andere Pflanzen; und so möchte Einer von euch da viele tausend Jahre die weiten Flächen der Sonnenerde durchwandern, so wird er zwar wohl auf immer neue und wunderherrliche Pflanzenarten und Formen kommen; aber zwei Arten würde er auch auf dieser langen Reise nicht auffinden, die sich vollkommen gleichsehen möchten. Sehet, aus diesem Beispiele könnt ihr euch schon einen kleinen Vorbegriff machen, warum die Sonne ein vollkommener Planet ist. Denn es kommt wohl auf jedem Weltkörper oder kleineren Planeten Aehnliches vor; aber gegen die Sonne nur unvollkommen.

14. So können auch auf eurer Erde bestehende Pflanzen verändert und veredelt werden, aber auf eine viel mühsamere und beiweitem gebundenere Art; nur im Geiste ist ähnliche Vollkommenheit bei den Menschen auch auf den anderen Planeten ersichtlich, wie z. B. die Früchte der dichterischen Phantasie, sei es in der Sprache der Begriffe, welche durch Worte ausgedrückt werden, oder in der Sprache der Bildnerei, welche durch entsprechende Bilder ausgedrückt wird mit Hilfe der Farben oder anderer für die Bildnerei tauglicher Gegenstände; ganz besonders aber durch die Sprache der Töne, wo ein solcher Tondichter die größte Mannigfaltigkeit entfalten kann, wenn er in diesem Fache vollends geweckten Geistes ist. Aber alles dessen ungeachtet ist selbst diese erscheinliche Vollkommenheit auf den Planeten nur ein mattes Abbild von allem Dem, was sich da in jeder erdenklichen Hinsicht vorfindet auf dem vollkommenen Planeten der Sonne. -

(Am 9. August 1842 von 3 bis 6 1/4 Uhr Nachmittags.)

15. Daß die Sonne ein vollkommener Planet ist, und somit alles Planetarische in sich fassen muß, läßt sich aus Dem ersehen, daß Alles auf den Planeten durch das ausstrahlende Licht der Sonne geformt wird. Der Unterschied ist dann nur zwischen dem vollkommenen und den unvollkommenen Planeten daraus ersichtbar, daß alle Formen, welche dem Lichte der Sonne entstammen, nothwendige und bestimmte, nicht leicht abänderliche Formen sind, und lassen sich sogar noch zählen, während auf dem vollkommenen Sonnenplaneten alle Formen frei sind und haben kein anderes Band, denn das Band des Willens der Menschen alldort; und sind daher auch unzählbar und in’s Unendliche verschieden.

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