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[LAO 3.26] Mit Psalmen der Liebe und anderen Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern; aber singet im Herzen, und machet nicht ein leeres Geplärr mit dem Munde; so werdet ihr dem Herrn angenehmer seyn, denn da ist das eitle Geplärr der Pharisäer, Juden und Heiden, die da ihren Lippen viel zu schaffen machen des Goldes wegen; aber ihre Herzen sind dabei kälter denn Eis! —

[RB 1.48.12] Aber diese hundsgemeinen Kerls betreiben diese Sachen mit einer so leidenschaftlichen Gier, daß sich wirklich alle Hunde, Affen, Spatzen und Fliegen vor ihnen allerwaidligst schämen müssen, so sie diese Lumpen in die Betrachtung nehmen! Was mich aber am meisten wundert, ist das, daß hier gerade die alten Schöpse und Esel es am ärgsten treiben! Da sieh einmal hinaus, dort unter einem Feigenbaume haben drei recht wunderalte Kerls eine Dirne, und machen Spektakel mit ihr! Ach Herr Je! – – – das ist ja doch zum Donnerwetter dreinschlagen! – – – Wird denn diese – Schweinerei kein Ende nehmen?!“

[RB 1.52.6] Aber sei ihm nun, wie es ihm wolle, was die noch größere Verschönerung dieser Tänzerinnen betrifft, so stelle ich es, so wie alles andere, natürlich ganz nur Dir anheim! Die Ersteren sehen nach meiner Beurtheilung wohl ohnehin gar nicht übel aus; denn sie sind, wie man auf der Erde zu sagen pflegt, so recht fest und nett beisammen; ihr Anzug ist recht, wie man sagt 'gewählt', und ihre Gesichter, Brüste, Arme und Füße suchen ihres Gleichen; aber die Anderen sehen wohl, besonders einige dort im Hintergrunde, sehr spitzig aus, und ihr Anzug erinnert mich sehr lebhaft an den Anzug jener sogenannten fliegenden Komödianten-Trupps, die sich als eben nie zu reiche und geniale Trambulin-Springer, Purzelbaummacher und Seiltänzer in den Märkten und Dörfern herumtreiben! So Du diese in ein bischen besseres Licht stellen möchtest, das – meine ich – könnte grade nicht schaden, vorausgesetzt, daß sie dadurch etwa doch nicht eitler werden, als sie nun zu sein scheinen; denn jetzt scheint sie die Eitelkeit eben nicht gar zu sehr zu plagen, darum sie auch wahrscheinlich sich mehr in dem Hintergrunde befinden!“

[RB 1.63.6] Kommt ein Anderer hinzu, und spricht in einem pathetischen Tone: „Freunde, bedenket, wo ihr seid! Das ist nicht etwa der Prater, oder die Brigittenau, in der die rohe Wienermenschheit noch zehnmal roher sich gebärdet als sonst; bedenket, hier ist das ernste Geisterreich, wo man ganz ordentlich und ernstlich sein muß, um nicht augenblicklich auf ewig verdammt zu werden; denn bei Gott ist keine Gnade und kein Pardon mehr in dieser Welt!“ – Spricht die Heldin: „O, o, o! ereifern's Ihne neit goar so ollmächti, Sie bratschulteriger Tapschädl! Daß unser liebe Herrgott mit an solchenen Eimerbiersauflimmel ka Erbarmniß hobe kan, wie Sei Aner san, das wird do etwa gaonz natürli san!?“ – Spricht der Pathetiker, seine Augen sehr weit aufthuend: „Waaas sagt diese Blocksbergshexe!? ohhh, für diese Hacke wird ja wohl auch sogar noch hier in der Geisterwelt sich ein Stiel finden lassen! Ist denn kein so gemeiner Kerl hier, dem es um seine Hände nicht leid sein dürfte, dieser unfläthigsten Dirne den Hals umzudrehen!?“ – Spricht die Heldin: „Oh, deßtwegen moches Ihner ka Müh! denn waons auf die gemeinste Kerlschaft hier ankäme, um mir den Hals umz'drahn, da war zu dem Gschäftl ja so ka Tauglicherer wie Sei!? Aber da moan i, daß so an Oarbeit für Sei wuhl no viel z'gut war! Was manens denn, wer Sei san, Sei lebendig täglichs 4 Eimer Bierfaßl, Sei!? Geltens, 's Birl, und Ihnre kropfete Mierl die gehn Ihne holt ob hier in der Geisterwelt, drum sans so ernstli!? aber tröstes Ihne nur, vielleicht kummt Ihre Mierl a bold nochi, und do wird dann der liebe Herrgott glei barmherziger sein als er hietzt ist!“ -

[RB 1.64.6] Spricht der Pathetikus: „Nein, böse gerade bin ich nicht auf dich; denn wahrlich, das würde mir zu keiner Ehre gereichen, auf dich böse zu sein, weil du gegen mich denn doch sozusagen nichts bist! aber in eure Mitte, wo die größte Gemeinheit herrscht, kann ich mich auch nicht mehr begeben; sondern ich werde mich hier im Kreise der Honoratioren aufhalten, und so gehe sie zurück!“ – Spricht die Heldin: „Aber gebns Ocht, daß den Honoratioren neben Ihnen nit übel wird, Sei eingebildeter Tapschädl Sei; was glaubn's denn, was Sei etwa da san?! I bin wuhl a recht lustigs Weaner Madl; aber schleacht bin i grod neit. Waon i aber für Sei'n z'schlecht bin, da such's Ihne holt a Beßri aus! Dort stangetn glei a Poar Dutzend; gehns hin, und probirns holt ehner Glück! Dei werde Ihne schun soge, wie viel's etwa werth san!“ -

[RB 1.65.1] Als unsere Heldin wieder in der Mitte der Ihrigen sich befindet, d. h. Jener, mit denen sie früher ein etwas beißendes Zwiegespräch hielt, da sagt der schon bekannte Franz zu ihr: „No, du odrati luxemburger Achazibaum-Mierl, wie is dir denn gaonge mit den bratschultrigen Kolifonifeuerhelden?! No, hast iehme so recht eine gsogt af ächt weanerisch?“ – Spricht die Heldin: „Na, verstanden wird er's wuhl hobn! Hietzt mant der Tolkentipl, daß er do a no a gnädiger Herr is! Na, den werdns do glei anondri Wurst broden! Ober gsagt hob is iehma! hätts eis nur ghört, wie iehms der Herr Blum eini gsogt hot, weil er mi verkloge is gaongen! eis hätts a narische Fraid ghobt! I wünsch kan Menschen was Schlechts, a diesem Tapschädl nit; aber weil er holt goar a so a hochmiethiger Dinger is überanant, do hob i a rechti Fraid, won iehma die guaten Herrn dort a wengerl die Flügel stutzen than; o dös gschiacht iehme schun recht!“ – Spricht der Franz: „Na, Mierl, hietzt gfohlst mi schon wieder, und i bin schon wieder guat af di; ober dos sog i di a, wons mi wieder a mohl so angreifst, wie's ehnter ton host, da mogst schaun, wie‘s weiter kummen mogst! Ober hietzt is olles wieder guat; vesteast mi? Olles wieder guat!“

[RB 1.68.3] Spr. die Heldin: „Nooooo und! Sei bratschultriger Tapschädl Sei! – Geacht Sener dos eper wos aon?! Schans, daß weiter kummen. Sei naturwidrigs Fleischfutrohl von olle odelichen weaner Drecksäu! sist sog is Sener, wia's af echt deitsch hasen than! – Do schau der Mensch so an zopf'gen Gollpitzl-Fabrikanten aon! – Hiatzt is Jähna goar nit recht, daß unser ans mit an sulchenen Herrn redt! Wos glabes a, wer Sei san! glabens denn, weil's a mohl auf dr Welt als pansenirter Frierschitz an kaiserliche Sabl trogen han, doß Sei deshalb a do, in dieser Welt beßer san, als unser ans! – o Sei tamischer Tapschädl Sei! do wird mas Ener glai an Extra-Wurst brode! is wuhl guat, daß Christus der Herr net do bei uns is; denn Der miaßt ja a narschi Freid habe, waon Er so an grobe Limmel vorn Ahm sähet, wie do Sei aner san! – Hiatzt schans aber nur, daß Sei mit senra Krokodilaugen und Bockfieß weiter kummen than, sist gschieht Jähne wos aonders!“

[RB 1.72.8] Auf diese meine etwas lakonisch zärtlich gehaltene Frage hob sie den Fuß und stieß damit so gewaltig vor Zorn auf den Boden, daß darob die Gläser in meinem Schnapskasten klirrten; und diesem gewaltigen Fußstrampfer folgte ein schneidendes 'Nein!' natürlich mit der Begleitung von allerlei Thränen; diesem bedeutungsvollen Nein folgte eine stumme Zornpause, auf die eine leichte Ohnmacht, und auf die kurze und leichte Ohnmacht eine ganze Legion der herrlichsten Namen an meine Person, die wahrlich der allerderbsten Obstlerin keine Schande gemacht hätten! Als sie mit diesem Register fertig war, da herrschte sie mich noch zum Schlusse also an: 'Wir sind quitt; ich will von dir nichts mehr wissen, hören und sehen! 'Zahlt bist, und so sind wir quitt für ewig! Mich hänseln auch noch!? – Das ging mir gerade noch ab, von so einem Limmel, der nicht geboren, sondern nur geworfen wurde, von irgend einer bäuerischen Kuh! Du magst 1000 male vom Kaiser selbst zum Fürsten erhoben sein, so bist du aber für mich, eine Baronin von uraltem Geschlechts, doch nichts, verstehst du das? Gar nichts bist du gegen mich! Sehe, daß du mir ehestens aus den Augen kommst!'

[RB 1.76.2] Spricht der Pathetikus ganz indignirt: „O du verfluchte Hauptwäsche! Das Fegefeuer scheint schon da zu sein, und so dürfte die Hölle auch nicht gar zu weit weg sein! das ist aber ja doch rein zum Teufels werden! Jetzt ist das Luder von einer Mierl auch hier, und mein gottseligs Weib dazu! No, no, die Sache wird sich machen! Ist mein Weib doch ein paar Jahrln vor mir in die Ewigkeit spazieren gegangen, und ich glaubte, weil sie in ihrer letzten Zeit gar so ligorianerisch fromm geseufzet hat und also selig in dem Herrn entschlief, daß sie schon längst wo auf einer Himmelswolke herumschwebt!? aber nein, sie ist hier, und das noch 100 mal elender als auf der Welt knapp vor ihrem Tode! allein, das hätte mir wenig oder gar nichts gemacht. Aber jetzt kommt auch noch zum größten Ueberflusse mein Ludersmensch hinzu, die ein Maul wie ein Schwert hat! No, das ginge einem noch ab, mit so einer Gesellschaft hin zu jenem Manne zu gehen, Der mir schon ehedem ganz unzweideutig zu verstehen gab, daß ich noch sehr gedemüthigt werden solle; aber ich rieche nun den Braten, und werde mich weise zu hüten wissen, mit dieser Gesellschaft hinzuwallen vor den Magier und vor die verklärte Lerchenfelderin; muß man aber in dieser Sauwelt auch mit allen Anujantitäten zusammen kommen! Also mußte aus dem frühern Max O. sich auch mein ehmaliger irdischer Oberste und Freund herausdrechseln, der auch in alle meine Geheimnisse eingeweiht war, und aus dem Traumdeuter mein Herr Schwiegerpapa mit seiner ganzen Sippschaft im Hintergrunde! O Kruzifix Donnerwetter; wenn das nicht Fatalitäten non plus ultra sind, so weiß ich nicht mehr, was man noch fatal nennen solle!? Vielleicht kommen noch meine andern zeitweiligen Amoretteln und allerlei Gruppirungen, die ich mit ihnen per Jux manchmal machte?!“

[RB 1.81.1] Darauf erhebt sich Petrus und spricht im Namen aller Apostel, sagend: „O Herr, Du meine Liebe, Du mein Leben! siehe dorthin, nach der alten Hauptstadt der Heiden, die bald darauf nach und nach zu entstehen angefangen hatte, als das alte Schlangennest Troja in einen Schutthaufen verwandelt wurde, und Babel und Tyrus Risse zum Einsturze bekamen; herrschet da nicht schon bei 1000 Jahre lang ein aus dem Heidenthume, Judenthume, wie auch aus deiner sehr beschnittenen Lehre zusammengesetzter Hyerarch? nennt er sich nicht Papst und Stellvertreter Gottes auf Erden? und einen Thron meinen Stuhl? und sich auch meinen Nachfolger?! – – Ist er dermal im Grunde etwas anderes, als ein heidnischer Regent eines kleinen Landes? giebt er aber nicht vor, im Besitze aller Macht und Kraft Deines allerheiligsten Geistes zu sein? und sucht er etwa nicht dennoch, so er in seinem weltlichen, wie in seinem vorgeblich geistlichen Regimente durch weltliche Aufstände bedrängt wird, nie Hülfe in seiner angeblichen Kraft des heiligen Geistes, sondern nur bei den größern Machthabern der Welt? Ruft derselbe nun in großer Klemme etwa nicht öffentlich die Maria als seine vermeintliche alleinige Helferin um Schutz und baldige Wiederherstellung seines Reiches an? Aber bei sich an solch' eine Hülfe gar nicht glaubend – – – – läßt er darum etwa nicht nun auch neben der angeflehten Hülfe Marien's noch andere Hülfe kommen? gegen dieselbe wohl öffentlich ganz flüchtige Scheinproteste erhebend, um der Welt gewisser Art zu zeigen, daß er an der Hülfe aus den Himmeln zur Genüge habe? und somit keiner weltlichen Hülfe bedürfe? aber so sich's eben die Machthaber dennoch trotz aller seiner Protestation nicht nehmen ließen, ihm zu helfen, es also dann klar sei, daß es also dann diese Helfer unsichtbarer und heimlicher Weise von der mächtigsten Himmelskönigin angetrieben werden? der Kirche Gottes auf Erden zu helfen? so sie die Pforten der Hölle zu überwältigen drohen?! Was – sagst denn Du o Herr zu dieser Gemeinde? – – -

[RB 1.89.6] Helena betrachtet ganz erstaunt das wunderbar aus dem Tisch vor ihr auftauchende und sich stets mehr und mehr entfaltende und fabelhaft gestaltende Gefäß. Als nach einigen Augenblicken das Gefäß ganz vollkommen entfaltet dasteht, da spricht die Helena ganz erstaunt: „Aber, aber, o Herr! ich bitte Dich um Deines heiligsten Namens willen! Ja – was – waas – was – ist denn das für eine sonderbarste Gestaltung!? – Siehe, anfangs hatte diese Geschichte ausgesehen wie eine ganz natürliche Pflanze, etwa wie auf der Erde eine Wasserlilie; dann trieb es aus der Mitte seiner langen bandartigen Blätter einen runden starken Stängel, auf dessen Ende eine Knospe ersichtlich war; die Blätter verdorrten aber bald, und die Knospe brach auf, und trieb statt einer erwarteten Blume, die unverkennbare päpstliche Dreikrone, (Tiara) aber verkehrt, das heißt, mit dem Dreikreuze, das auf einem goldnen Apfel sitzt, nach unten, und mit dem eigentlichen untersten Kopfreife nach Oben. Diese Tiara steht nun wie ein förmliches Trinkgefäß vor mir, und zwar merkwürdiger Maßen auf einem Dreifuße, der sich wie von selbst aus dem ehemaligen Stängel geformet hat. Dieß sonderbare Gefäß ist nun inwendig ganz schwarz, wie eine starke Nacht; und siehe, da wo von außen die köstlichen Edelsteine sitzen, fließet inwendig Blut und Blut, und das Blut durchwühlet allerlei häßliches Gewürm! Die Köpfe der Würmer sehen aus wie glühendes Erz, und ihr anderer Leib wie der eines Drachen; und siehe, diese Bestien trinken gierig das Blut, so daß das Gefäß, trotz des reichen Zuflusses, nimmer voll werden kann, und über‘s Gefäß gehen, auf daß da Alle sähen, welchen schauerlichen Inhaltes dies Gefäß voll ist! O, o! wie diese Bestien doch gar so gierig das Blut einsaugen! – Und siehe, unter den Würmern (Bestien) ersehe ich nun eines, das da viel größer ist als alle andern! Und diese Bestie hat dir wie sieben Köpfe, und auf jedem Kopfe zehn Spitzen, wie die eines Schwerts, und auf jeder Spitze steckt eine glühende Krone; und so es untertaucht in das Blut, da gischet das Blut, und dampfet und rauchet es auf der Oberfläche. Der Zufluß wird nun stärker und stärker; aber noch will das Gefäß nicht voll werden; denn die Bestien zehren mächtig daran, und was sie nicht verzehren können, das löst sich in Dampf und Rauch auf! O Herr! binde den Bestien doch ihren Rachen, und von den Spitzen des einen Thieres nehme die glühenden Kronen, damit das Gefäß doch einmal voll werde! O, o! wie abscheulich doch das anzusehen ist!“ -

[RB 1.94.4] Wie ich es nun einsehe, so stellt dieses sieben-köpfige Unwesen den eigentlichen Geist des Antichristen dar, und beurkundet desselben Walten innerlich in seinem eigenen Unflathe! Der Wurm stellt schon einmal für sich die große Schändlichkeit vor, die aus der Herrsch-, Hab-, Lug- und Trug-Sucht hervorgeht; die sieben Köpfe sind gleich den sieben Hauptleidenschaften, aus denen die sieben Hauptsünden ihren Ursprung haben werden? Hochmuth, Herrschgier, eifersüchtigster Neid, ein tödtlicher Geiz, unversöhnlicher Haß, Verrath und endlich Mord! Aus diesen gehen hervor Genußsucht, Fraß, Völlerei, Unzucht, Hurerei, gänzliche Nichtachtung des Nächsten, härteste Verfolgung dessen, was frei zu athmen sich getrauen sollte, vollste Scham- und Ehrlosigkeit, gänzliche Gewissenlosigkeit, und endlich die vollste Mißachtung und gänzliche Vergessenheit Gottes! Diese nothwendigen Vorkommnisse aus den ersten sieben Hauptleidenschaften sind dann aber auch bei jedem Kopfe ganz dieselben, wie solches auch aus den zehn gleichen Spitzen zu ersehen ist, die über jedem Kopfe als stets die gleichen zu ersehen waren. Auf den Spitzen waren auch noch glühende Kronen ersichtlich, mit denen es (das Thier) das Blut verdampfen machte, so es zu gewaltig das Gefäß zu füllen anfing; diese glühenden Kronen scheinen mir entweder die 70 römisch-katholischen Könige zu sein nach der Sage, die mir einmal auf der Welt zu Ohren kam, daß nehmlich der Papst über 70 gekrönte Herrscher gebiete!? Aber dieß kommt mir zu wenig haltbar vor, weil die Zahl der Regenten nicht stets dieselbe war, und geblieben ist! Aber für mich einleuchtender scheinen mir die Glühkronen die Reife der Herrschgier, die vor Dir o Herr ein Gräuel der Gräuel ist, anzuzeigen, die sich nun sogar in die Herzen der Völker eingenistet hat; aber noch klarer als das alles, scheinen mir diese Kronen die sogenannte Politik anzudeuten, die da als ein artig aussehender und viel verheißender Deckmantel erscheint, auf daß da ja Niemand merken solle, daß sich innerhalb desselben eine scharfe und Tod bringende Spitze verbirgt; will aber Jemand den Deckmantel anrühren, so ist dieser glühend durch die Esse des Zornes im Herzen der Beherrscher der blinden Völker, daß sich gar leicht ein Jeder waidlichst verbrennen muß, der es waget sich an dem Deckmantel zu vergreifen!

[RB 1.95.8] Siehe, es ist daher bald und leicht gesagt: – Herr! thue dieß und jenes! richte die bösen Völker, richte die Könige, und richte den herrschsüchtigen Papst, vertilge Alle, die eines hochmüthigen und herrschgierigen Herzens sind; – thue Wunder, lasse durch eine allgemeine Pest das ganze arge Menschengesindel zu Grunde richten! denn sie sind Alle zusammen böse! – Aber da muß man dann mit größerer Einsicht bedenken, daß Ich rein umsonst gearbeitet haben würde, so Ich wegen der nicht gesetzmäßigen Handlungsweise die auf die Erde gesetzten Menschen sogleich richten und tödten möchte.

[RB 1.97.9] aber dafür wird der Pathetikus samt seiner Gesellschaft ganz, wie die Menschen zu sagen pflegen, fuchsteufelswild, geht dem Robert entgegen, und spricht: „Noooo- Musje! diese Holden sind nun lange genug in meiner Nähe gestanden, und ist ihrer bei eurem dummen Geplapper nicht gedacht worden; gerade jetzt, wo ich mit ihnen gerne in eine nähere Bekanntschaft getreten wäre, hat dich müssen der Teufel hierher reiten, um sie mir gerade vor der Nase wegzuschnappen! Ich glaube, unter uns g'red't, du hättest ja wohl an denen genug, die dort an eurem Adams-, Abrahams-, Isaaks- und Jakobs-, Moses- und Gott weiß was noch für Tische, wie die schönsten Schafe versammelt stehen?! Meine Emma-Gundl ist auch dabei, und meine Mariandl, und die schönste Aurora von einer Lerchenfelderin! Freilich blüht bei der, wie's mir vorkommt, für dich verdammt wenig Waizen heraus, weil der Pseudo-Heiland Jesus bei ihr beiweitem mehr zu gelten scheint, als du; aber anschauen darfst sie doch, und dabei als ein über deine hübsch langen Ohren – in sie Verliebter nach und nach ein wenig zu verzweifeln anfangen!

[RB 1.97.11] und nun möchtest du mich auch hin an jenen saubern Rathstisch ziehen, an dem so Erhabenes von einer mit einer ätherischen Fosforiszenz übertünchten Lerchenfelder Tudl beschlossen wird, sogar ein Gericht über uns Männer, darum wir auf der Welt oft thierisch dumm genug waren, uns so weit zu vergessen, daß wir uns mit solchen Kloaken-Kreaturen abgeben mochten! – Freund! da kannst du hübsch lange warten! Glaubst du denn, daß ich dir nun wie ein Gimpel gleich auf dein dreckiges Leimspindelchen aufsitzen werde? oh, da hat es Zeit, und seine sehr geweisten Wege! Brüderl, kehre halb rechts nur wieder um, und sage deiner fosforstrahlenden Gesellschaft: Nur die Gimpel fängt man so, – andere Vögel sitzen nicht so leicht auf, besonders – wenn eine Lerchenfelder Glorifiszenz Esel auf den Vögelfang mit Einverständniß ihres Pseudo-Jesus aussendet! Wenn's zurückkommst, so richte ihr von mir einen schönen Grueß aus!“

[RB 1.104.26] Spricht der Dismas: „Liebe Freunde! Wer aus uns hat denn eine Macht Gott zu nöthigen? Er ist der allein Allmächtige, und kann thun, was Er will. Er läßt aber gewöhnlich zuvor durch allerlei Apostel den Menschen Bitteres bringen, auf daß sie dann zu Ihm kommen sollen, und Süßes empfangen von Ihm. Die Menschen müssen dadurch zu der Einsicht gelangen, daß alle Menschenhülfe kein nütze ist, und daß sie gleich ist jenem sonderbaren Buche in der Apokalypse, das von einem großen Engel dem Johannes zum Verschlingen dargereicht im Munde honigsüß wohl schmeckte, aber dafür im Magen gar bitter ward! Erwartet daher auch von mir nichts Gutes! – denn so ich selbst schlecht bin, wie könnte ich euch denn Gutes bieten? Der aber Selbst wahrhaftig ist und gut über gut, Der kann daher auch allein das Gute geben! Daher also zu Ihm hin!“

[RB 1.112.13] Aber sage mir, wer kann denn seinen eignen Willen verbannen, und dafür einen ganz fremden in seine Seele einpfropfen? Schau, du sagst, daß du sehend bist, und wir sind blind; aber es ist dann doppelt merkwürdig, wie du als ein Sehender das nicht einsiehst, daß ich den Willen eines Fremden ja doch unmöglich anders, als nur durch meinen höchst eigenen Willen zu meinem eigenen machen kann. Hätte ich aber schon durchaus keinen eigenen Willen, da möchte ich denn doch von dir erfahren, mit welchem Willen ich das wollen solle können, was irgend jemand Anderer mir zum Wollen auferlegen solle. Geh' und lasse dir mit deiner himmlischen Weisheit ein wenig heimgeigen! ich habe dich wohl immer für ein wenig dumm gehalten; aber daß du so enorm dumm wärest, das wäre mir nicht einmal bei einer Traumschmeißerei eingefallen! Nein, keinen Willen haben, und dabei aber dennoch unbeugsam wollen, was ein Zweiter will, das will noch mehr sagen, als jemanden eine Herrschaft schenken, während man selbst nicht einmal der Inhaber eines Schneckenhauses ist. Sage mir Männike doch jefälligst, heste diese Weshet von enen Pater Liguorianer, oder etwa gar vom hl. Ignatius von Loyola dich egen jemacht haben jethun? oder hast dir eenmal dein Jehirn mit eenen schlecht osjebachnen Schöps'nen verdorben? – -

[RB 1.112.14] Aber nun Spaß bei Seite; sage mir ganz aufrichtig, bist du wohl wirklich so dumm, oder foppst uns blos so zu deinem Privatvergnügen? Schau, schau, ein Mensch ohne Willen wäre ja doch nichts anderes als ein organomechanisches Uhrwerk ohne Feder oder Gewicht. Ich meine, der Mensch kann wohl seinen Willen einem andern auf eine Zeit lang zu Diensten stellen, und das wollen und thun, was irgend ein anderer haben will, mag es nun etwas Vernünftiges oder etwas Unvernünftiges sein; denn keine Einsicht kann definitiv einen einmal gefaßten Willen ändern. Aber seines eigenen Willens ehedem ganz ledig werden, so wie ein schwangeres Weib ihrer Frucht, und sich sodann erst einen andern Willen gewisser Art einsetzen lassen, als wie ein Pfropfreis auf einen abgeschnittnen und gespaltnen Wildling, Freund! das geht sogar über den Horizont des letzten Fixsternes beiweitem hinaus; haue du dir so ganz evangelisch wohlgemeint beide Hände, und zugleich auch beide Füße ab, und lasse dir dann ein paar fremde, wann's leicht sein kann, anheften, und wir werden sehen, welche Bockssprünge du damit machen wirst. Also nur gescheute, Freunderl, gescheute! Hast du eine Kraft, so handle zu unserem Besten! Aber mit deinen ganz leeren Worten verschone uns für immer, o Herr Brunissimus!“ -

[RB 1.113.2] bin ich doch selbst zu öftern Malen mit den allereinfachsten Leutchen darüber zu reden gekommen, die solche Lumpereien ebenso gut wie Unsereiner beurtheilten, und daraus den Schluß machten und sagten: Die Religion sei nichts anderes, als ein schon in alten Zeiten fein ausgedachtes Mittel, die armen Menschen zu blenden, und sie durch höllische und himmlische Vorspieglungen, und durch allerlei auf diese beiden Bezug habenden Lügen und glänzenden Betrügereien dahin zu verhalten, daß diese dann aus Furcht vor der Hölle, oder aus großem Wunsche nach dem Himmel, für die arbeitsscheue Priesterkaste arbeiten, ihr die besten Bissen zubringen, und selbst aber schlechter leben sollen als der gemeinste Kettenhund, natürlich alles zur größeren Ehre Gottes (oder was?), woraus denn dann doch allerdeutlichst hervorginge, daß es entweder nie einen Jesus gegeben habe, oder so es schon einen gegeben habe, da kann Er doch unmöglich Gottes Sohn gewesen sein! Denn wenn man die erschaffene Einrichtung der Welt, die unendlich weise ist, betrachtet und erforschet, und daneben aber dann die löblichen Grundsätze der römisch-katholischen allein seligmachenden Religion, wo man so zu sagen ganz ohne Gedanken, so als schon ein quasi Vieh, alles glauben muß, wenn es auch noch so dumm und widersinnig wäre, wenn es nur vom Papste ausgehe, und wenn man dazu noch bekennen muß, daß nur sogestaltig die römische Lehre die allein rein christliche sei (?) – so muß man ja doch mit sogar verbundenen Augen sehen, daß derselbe Gott, Der die Erde mit allem, was auf ihr ist, und Sonne, Mond und alle die Sterne so höchst weise erschaffen hat, auf der andern Seite zur Erweckung und Belebung des Geistes der Menschen denn doch unmöglich eine Lehre könne gegeben haben, die sogar einem Sauhalter keine Ehre gemacht haben würde, so er sie erfunden und der Menschheit zu ihrer Beseligung gegeben hätte.

[RB 1.113.3] Siehe, Bruno, so filosofiren nun ganz einfache Leutchen, und das mit gutem Grunde; frage, wie sollen dann erst wir Gebildetere filosofiren und urtheilen, gegenüber den uns nur zu aufgedeckten Dummheiten, Lügen und schreiendsten Betrügereien der römisch-katholischen Kirche?! und in welch' einem Ansehen muß da erst der Stifter einer solchen Lehre stehen, die sich wie Wachs oder Gyps in alle erdenklichen Miß-Formen umwandeln läßt?! -

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