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Kapitel 2 Saturnus

1. Da wir nun dieses nothwendig als Vorleitung gestellt haben, so können wir schon einen Blick auf diesen Planeten wagen.

2. Sehet also ist seine Oberfläche: Der größte Theil ist Wasser; es giebt auf diesem Weltkörper kein eigentliches Festland, sondern zumeist unter dem Aequator abgesonderte bedeutende Inseln, welche an und für sich freilich wohl größer sind, als euer Europa, Asien, Afrika, Amerika und Australien: aber wegen der Größe dieses Planeten sind sie alldort nicht als Continent, sondern nur als pure Inseln zu betrachten, die alle von einander viel weiter entfernt sind, denn Asien und Amerika in der Gegend des Aequators der Erde; dazwischen es freilich auch eine Menge kleiner Inseln giebt, die sich zu den größern Inseln gerade so verhalten, wie die kleinen Inseln der Erde zu den anderen Festlanden.

3. Gegen die Pole hin ist dieser Weltkörper mit ewigem Schnee und Eis bedeckt, welches dort schon um 40 Grade früher beginnt, als auf der Erde; und was bei euch die sogenannte gemäßigte Zone betrifft, ist im Saturnus das Reich des Schnees; was bei euch die kalte Zone betrifft, so ist dort das Reich des ewigen Eises; und was bei euch die heiße Zone ist, ist dort eigentlich nur die gemäßigte, auch die reine Zone, über welche sehr selten Wolken oder Nebel sich erheben, wogegen die beiden anderen Zonen unter ewigen Nebeln und Wolken stehen.

4. So rauh also auch sowohl nördlich als südlich die Schnee- und Eiszonen sind, ebenso heiter und mild und rein ist die Mittelzone, die allein nur bewohnbar ist. In dieser Zone befinden sich hernach 77 große Eilande, wovon das mittlere größer ist, denn euer Amerika; und eine jede Insel aber ist von der anderen dessenungeachtet sowohl in der Formation und in den Produkten bei weiten mehr verschieden, als euer Lappland von den südlichsten Tropenländern.

5. Ihr werdet euch freilich denken, bei dieser großen Entfernung von der Sonne wird’s alldort wohl schon ziemlich dunkel sein, und selbst am Aequator eben gar nicht zu warm; allein da würdet ihr euch sehr irren; denn für’s erste hat dieser Planet in dem Grade, daß er größer ist als die Erde, auch ein ebenso stärkeres Eigenlicht; für’s zweite aber umgiebt diesen Planeten eine ums tausendfach größere, und weiter vom Planeten hinausreichende Atmosphäre, die einen Durchmesser von beiläufig 100.000 Meilen hat, während die Athmosphäre eurer Erde nicht einmal 2000 Meilen. - Ihr könnt euch bei diesem außerordentlich großen Durchmesser der Atmosphäre des Saturnus vorstellen, wie viel Sonnenstrahlen diese große Luftkugel aufzunehmen im Stande ist, um sie dann in einer gebrochenen Linie immer concentrirter und concentrirter zu führen auf die Oberfläche dieses Planeten, aus welchem Grunde dann die Bewohner dieses Planeten die Sonne auch um Vieles größer sehen, als ihr; und die Wärme würde eben dadurch auf dem Aequator dieses Planeten unerträglich sein, wenn sie nicht durch den Ring also gemildert würde, indem derselbe die am meisten concentrirten Sonnenstrahlen aufnimmt, sie zum Theile selbst verbraucht, zum Theile aber auch wieder in alle Weltgegenden zurücksendet, wodurch er auch mehr glänzend, als der Planet selbst durch die Fernröhre erschaut wird; während sein Schatten nach dem Planeten selbst hin höchst wohlthätig wirkt, und die heiße Zone dadurch zu der gemäßigten macht.

6. Zufolge dieses Ringes ist auf diesem Weltkörper auch nie Nacht, wie bei euch, denn da ist fortwährend auf der einen Seite Tag von der Sonne aus; auf der entgegengesetzten Seite aber, da der Ring von der Sonne auf der inneren Seite beleuchtet wird, - eben von dem starken Lichte dieses Ringes, und dazu oft auch noch von den verschiedenartig kreisenden Monden.

7. Zu diesem eigentlichen Nachtlichte, oder so ihr es besser versteht, Nachttage kommt noch ein drittes Licht, und das ist das Licht der Fixsterne, welche von diesem Planeten aus betrachtet vermöge seiner reinen und weitgedehnten Athmosphäre um’s zehnfache größer erscheinen, und eben einen um so vielfach stärkeren Glanz von sich geben, als bei euch die Venus oder der Abendstern im hellsten Lichte.

8. Nun versetzet euch in eurem Geiste auf was immer für ein Land der Mittelzone dieses Planeten, und betrachtet von da aus die großartige Herrlichkeit des gestirnten Himmels. Fürwahr ihr möget euch noch so erhöhen in euerer Phantasie, so könnet ihr euch doch nicht von dem millionsten Theile der großen Pracht, die allda herrschet, einen Begriff machen, denn hier ist die Nacht heller als bei euch der Tag, und am Tage selbst vermißt man dort unter dem wohlthätigen Schatten des Ringes den Anblick der schönen Sterne nie, besonders, wenn man sich auf die Berge begiebt, und von da eine unermeßliche Aussicht genießt, ist die Wirkung des Sternenlichtes unter dem Ringe so mannichfaltig in der Farbenpracht, daß ihr euch davon durchaus nicht auch nur die leiseste Vorstellung machen könnet.

9. Was die fernere Beschaffenheit der Länder dieser Mittelzone betrifft, die Berge und die Flüsse, die Vegetation, das Thierreich und die Menschen, wird euch bei der nächsten Mittheilung bekannt gegeben werden. Für heute aber begnüget euch mit dem, und überdenket das Gegebene, so werdet ihr selbst in diesem schon eine große Portion finden, an der euer Geist eine gute Mahlzeit haben kann, und auch eine haben soll. Alles Uebrige aber wird, wie gesagt, in den nächsten Zeiträumen, in so weit es für euch nur immer faßlich ist, in der größten überschwänglichen Reichhaltigkeit gegeben werden; aber ihr müßt euch recht befleißen, denn es wird des Gegebenen allda ziemlich viel werden; darum, wie gesagt, seid fleißig; für Heute Amen.

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