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[FL 0.2] So Ich euch nun in einem kleinen Liede eine unbeachtete Fliege etwas vorsumsen lasse, so denket, daß auch dieses geringfügige Thierchen nicht zu den Ungezählten gehört; denn so Mir die Atome des Lichtes und die Monaden des Aethers durch alle Unendlichkeiten und Ewigkeiten genau zahlenweise bekannt sind, wie soll es eine Fliege nicht sein, zu deren Bildung doch mehr als eine ganze Milliarde der Atome nöthig ist! Daher lassen wir eine Fliege ein wenig sumsen.

[FL 0.5] Ein Flügelpaar, zart, gleich dem Aether, hab' Ich ihr gegeben, / Damit sie sich sollte gar leicht in die Lüfte erheben, / Und kreisen da munteren Flugs in den Strahlen der Sonne, / Und saugen da Licht mit den Äuglein der goldenen Krone, / Dann tragen dasselbe zum Leben der toten Gebilde / Und zeugen der Härte von Meiner belebenden Milde.

[FL 0.6] So hab' auch gegeben Ich weise ihr sechs leichte Füße, / Und hab' ihr gegeben, damit sie empfinde die Süße / Des Lebens, zum Saugen der Kost einen tauglichen Rüssel. — / Und seht, was Ich nun euch gesaget, nehmt es als Schlüssel, / Und denket im Herzen wohl über die Fliege; / Ich sage — die Fliege, die Fliege — sie singt euch vom Siege!

[FL 0.7] Seht, das sei euch unterdessen eine kleine Aufgabe; diese sollet ihr in freier, Mir geweihter Zeit ausarbeiten. Dieses kleine unbedeutende Thema habe Ich euch gegeben, damit eure Demuth eine gute Nahrung fände; im Folgenden aber wird euch dieses Thierchen von Mir ohnehin ein Zeugnis der Natur vorführen vom Grunde aus, Amen. Ich, dem alle Dinge wohlbekannt sind, gebe euch dieses. Amen, Amen, Amen!

[FL 1.3] Es wäre wohl überflüssig, euch die Gestalt der eben zu besprechenden Fliege der Form nach kund zu geben, nachdem ihr doch schon ganz sicher werdet mehrere Fliegen gesehen haben; aber ihre denkwürdigen Einzelnheiten und die Art ihrer Entstehung sind da auf keinen Fall zu umgehen, sondern mit recht vielem Fleiße und aufmerksamen Geistes zu beachten.

[FL 1.5] Es wissen zwar Naturgelehrte, daß die Fliege eine Art Eier lege, welche also klein sind, daß sie vom menschlichen Auge kaum wahrgenommen werden, und haben daher auch ein so geringes Gewicht, daß sie gleich dem Sonnenstaube sich gar leicht in der Luft schwebend erhalten können.

[FL 1.7] Sehet, die Fliege legt ihre Eier, so sie einmal legreif geworden ist, überall hin, wo sie sich nur immer hinsetzt, und kümmert sich dann weiter gar nicht mehr, was mit ihnen geschieht; Millionen werden von den Winden in alle Weltgegenden geführt und zerstreut; Millionen kommen in das Wasser, ja, ihr könnet euch beinahe kein Ding auf der Erde denken, das da verschont bliebe von den Eiern der Fliege; so wie der Fliege selbst kein Ding gewisser Art zu heilig ist, darum sie sich nicht auf dasselbe setzen, und dasselbe beschnüffeln möchte. Also ist außer der glühenden Kohle und der lodernden Flamme auch beinahe kein Ding, das sie nicht mit ihren Eierchen beklecksen möchte.

[FL 1.8] Wohin sonach die Fliege ihre Eierchen legt und wie sie aussehen, wüßten wir jetzt schon; wie sie aber ausgebrütet werden? und wie viele von den unzählbar gelegten, davon soll sogleich die Rede sein.

[FL 1.9] Alle diejenigen Eierchen, welche entweder an feuchten Mauerstellen der Häuser, vorzugsweise der Thierstallungen, oder an faulem Holze, oder was immer anderem, Moderfeuchtigkeit Haltendem, gelegt werden, kommen fast meistens davon, was aber da ein Raub der Winde und des Wassers geworden ist, davon werden freilich wohl unbeschreiblich wenige zu Fliegen ausgebrütet; obschon dessen ungeachtet nichts verloren geht, daß es eine andere weise Bestimmung verfehlen sollte, ja sogar diejenigen nicht, welche von Menschen und Thieren nicht selten zu Millionen mit einem Athemzuge eingeathmet werden; — doch lassen wir diejenigen, welche denen andern vielen Bestimmungen zugeführt werden, und wenden uns sobald zu denjenigen, welche da ausgebrütet werden.

[FL 1.12] Die Eierchen springen da auf, von den erwachten Geistern der in einem solchen Eierchen angesammelten, ordnungsmäßigen Vorgangsthierchen genöthigt. Diese Geister vereinigen sich in der Gestalt eines kaum sichtbaren kleinen weißlichten Würmchens zu einem Leben. Dieses Würmchen nährt sich dann einige Tage von der Feuchtigkeit der Stelle, da es ausgebrütet wurde, welche Nahrungszeit eben nicht gerade bestimmt ist, sondern allzeit von dem Umstand der Reichlichkeit des vorhandenen Nahrungsstoffes abhängt.

[FL 1.14] Ich habe euch aber gleich Anfangs gefragt, ob ihr noch nie eine junge Fliege gesehen habt? — Sehet, darin liegt das eigentliche Wunder dieses Thierchens begraben: Es ist auf einmal da, und ganz vollkommen ausgebildet, und Niemand weiß nun, woher es kam, und wo dessen Geburtsort ist;

[FL 1.18] Sehet, das wäre demnach die Geburt, oder vielmehr die gewiß nicht wenig merkwürdige Entstehung der Fliege, und muß jedem Beobachter wunderbar genug vorkommen. Allein dieses Alles ist dessen ungeachtet noch das am wenigsten Wunderbare bei diesem Thiere. Was da noch folgen wird, in der möglichen Kürze, darüber werdet ihr euch erst groß erstaunen und verwundern, und so lassen wir dieses Merkwürdige an einem nächsten Tage folgen.

[FL 2.4] Es haben aber einige sehr thätige Naturforscher mittelst stark vergrößernder Kleinschauwerkzeugen gefunden, daß die Fliege — und alle Thiere ihres Geschlechts — an ihren Füßen zwischen zwei Krallen eine Art sehr elastischer hohler Glöckchen [in Klammern Symbol einer Glocke] angebracht haben, welche sie gleich reinen Luftrezipienten zum Verdünnen der Luft gebrauchen dürften, und zwar auf folgende Weise: Wenn da eine Fliege den einen oder den andern Fuß an eine aufrechtstehende Glasscheibe setzt, so sauget sie sobald die im Glöckchen befindliche Luft in sich, wodurch dann der mit dem luftleeren Glöckchen versehene Fuß von der Schwere der das Glöckchen von Außen umgebenden Luft sobald an der besagten Fläche festgehalten wird. —

[FL 2.5] Allein zu dieser Verrichtung müßte dann jede Fliege in sich eigene Luftpumpen haben; und in welcher Schnelligkeit müßten diese von einem unaussprechlich gewandten Mechaniker gehandhabt werden, damit sie dem äußerst geschwinden und allerunbestimmtest launigen Getrippel der Fliege völlig Genüge leisten sollten?!

[FL 2.9] Diese Härchen und Spitzchen sind lauter wohltaugliche Elektrizitätssauger, und diese dadurch von der Fliege in sich gesogene Elektrizität strömt dem negativen Theile nach, welcher zugleich auch der anziehende oder zusammenziehende ist, unablässig fort durch die Füßchen in die schon bekannten Glöckchen, wodurch dann diese Theile sehr hungrig nach der positiven Elektrizität werden. Da sich aber diese vorzugsweise an den polirten Flächen aus der Luft ansammelt, so ist dann ja auch ganz natürlich, daß die Fliege auf jeder wie immer gestellten polirten Fläche zum Behufe ihres Gehens haften bleiben muß, indem schon alt bekanntermaßen entgegengesetzte Polaritäten sich immerwährend anziehen.

[FL 2.18] Der letzte Verlauf dieser Mittheilung aber wird euch erst völlig das Wunder enthüllen; und so lassen wir für heute des Guten und Wahren zur Genüge sein! —

[FL 3.4] Wenn demnach von dem Zwecke des Daseins eines Wesens die Rede ist, so kann dieser sich auf nirgend anderswohin erstrecken, als nur auf eine dieser zwei Polaritäten. Und so lasset uns denn sehen, für was Alles die Fliege taugt. —

[FL 3.15] Damit euch dieses aber nicht zu fabelhaft klingt, so mache Ich euch aufmerksam auf die geringfügige Ursache (in naturmäßiger Hinsicht betrachtet) eines großen Erdbebens, welches nahe auf einer ganzen Erdhälfte und darüber verspürt wurde. Sehet, solcher Grund lag in tausend Kubikfuß eingeschlossener Luft, welche sich durch die bekannten äußern Druckumstände entzündete.

[FL 3.19] Doch dieses Alles ist nur ein kleiner Nebenzweck dieses Thierchens, und somit noch nicht das größte Wunder. Geduldet euch aber nur, die Hauptsachen werden erst kommen, und so lassen wir's für heute wieder gut sein! —

[FL 4.1] So hätten wir denn gesehen, wie dieses Thierchen seiner Bestimmung entspricht für den negativen Pol; doch das bereits Bekannte ist nicht der ausschließende negative Zweck dieses Thierchens; sondern da gibt es noch eine Menge Nebenzwecke also gestaltet, wie gestaltet ein weiser Hausherr seinen Arbeitern nicht nur eine zu verrichtende Bestimmung gibt, sondern einem jeden Arbeiter neben der Hauptarbeit noch allerlei Nebenverrichtungen verschafft, damit da keine Wendung der Arbeiter unnutzbringend sein solle; und so wollen wir denn, bevor wir auf einen andern Haupttheil der Verrichtung dieses Thierchens übergehen, noch einige solcher Nebenverrichtungen dieses Thierchens kennen lernen.

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