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[FL 0.4] Nun sehet das Thierchen, wie munter und fröhlich es kreiset, / Und wie es ganz sorglos, gehorsam dem Triebe sich weiset, / In dankbarer Haltung der Richtung, die Ich ihr gegeben; / Und nie wird sie, so wie ihr, nach dem Verbotenen streben, / Ich sage, umsonst ist es nicht euch so nahe gestellet, / Und ob auch das Mittel wohl klein — ist's von Mir doch erwählet!

[FL 1.3] Es wäre wohl überflüssig, euch die Gestalt der eben zu besprechenden Fliege der Form nach kund zu geben, nachdem ihr doch schon ganz sicher werdet mehrere Fliegen gesehen haben; aber ihre denkwürdigen Einzelnheiten und die Art ihrer Entstehung sind da auf keinen Fall zu umgehen, sondern mit recht vielem Fleiße und aufmerksamen Geistes zu beachten.

[FL 1.4] Wie entsteht demnach die Fliege?

[FL 1.6] Wohin aber legt die Fliege ihre Eierchen? — da die Zahl dieser von einer Fliege gelegten Eierchen nicht selten Millionen übersteigt, und wo, und wie werden sie ausgebrütet? — Ihr habt sicher noch nie eine junge Fliege gesehen; die Mücklein aber sollet ihr ja nicht für junge Fliegen ansehen.

[FL 1.9] Alle diejenigen Eierchen, welche entweder an feuchten Mauerstellen der Häuser, vorzugsweise der Thierstallungen, oder an faulem Holze, oder was immer anderem, Moderfeuchtigkeit Haltendem, gelegt werden, kommen fast meistens davon, was aber da ein Raub der Winde und des Wassers geworden ist, davon werden freilich wohl unbeschreiblich wenige zu Fliegen ausgebrütet; obschon dessen ungeachtet nichts verloren geht, daß es eine andere weise Bestimmung verfehlen sollte, ja sogar diejenigen nicht, welche von Menschen und Thieren nicht selten zu Millionen mit einem Athemzuge eingeathmet werden; — doch lassen wir diejenigen, welche denen andern vielen Bestimmungen zugeführt werden, und wenden uns sobald zu denjenigen, welche da ausgebrütet werden.

[FL 1.11] Sehet, wenn die Sonne einmal hinreichend die Erde zu erwärmen anfängt, da fangen diese Eierchen auch an zu wachsen, bis sie einmal so groß werden, daß sie auch ein mittelmäßig scharfes Auge zu entdecken im Stande ist, und zwar als einen weißlich blauen Blumenstaub, natürlich an den Stellen nur, da sie von der Fliege hingelegt wurden; das ist dann die Zeit der Ausbrütung, welche also vor sich geht:

[FL 1.12] Die Eierchen springen da auf, von den erwachten Geistern der in einem solchen Eierchen angesammelten, ordnungsmäßigen Vorgangsthierchen genöthigt. Diese Geister vereinigen sich in der Gestalt eines kaum sichtbaren kleinen weißlichten Würmchens zu einem Leben. Dieses Würmchen nährt sich dann einige Tage von der Feuchtigkeit der Stelle, da es ausgebrütet wurde, welche Nahrungszeit eben nicht gerade bestimmt ist, sondern allzeit von dem Umstand der Reichlichkeit des vorhandenen Nahrungsstoffes abhängt.

[FL 1.16] Ihr habt vielleicht schon dann und wann gehört von alten Leuten sagen: die Fliegen entstehen zum Theile aus einer Art Staub und zum Theile aus den zerstäubten Körperteilen alter, todter Fliegen. Dem Anscheine nach ist es wohl also; aber der Wirklichkeit nach freilich wohl nicht;

[FL 1.17] denn so das Würmchen einmal die rechte Größe erhielt, welche ungefähr die Ausdehnung hat, als ein kleiner Beistrich bei einer mittelmäßig großen Schrift, sodann zerplatzt das Würmchen, und zerleget dadurch das Innere nach Außen; allwann dann die frühere Außenhaut des Würmchens zum eigentlichen Leibe der Fliege sich ausdehnt, wohlversehen mit allen den inneren Verdauungsgefäßen; die frühere Innenseite des Würmchens aber dann die äußern sichtbaren Theile der Fliege hervorbringt, welche, sobald diese Umkehrung vor sich ging und sie mit der äußern Luft in Berührung kommen, binnen längstens fünf bis sieben Sekunden zu ihrer vollkommenen Ausbildung gelangen, bei welcher Gelegenheit die Fliege auch ganz vollkommen fertig ist.

[FL 1.18] Sehet, das wäre demnach die Geburt, oder vielmehr die gewiß nicht wenig merkwürdige Entstehung der Fliege, und muß jedem Beobachter wunderbar genug vorkommen. Allein dieses Alles ist dessen ungeachtet noch das am wenigsten Wunderbare bei diesem Thiere. Was da noch folgen wird, in der möglichen Kürze, darüber werdet ihr euch erst groß erstaunen und verwundern, und so lassen wir dieses Merkwürdige an einem nächsten Tage folgen.

[FL 2.1] Es wird eueren Augen nicht entgangen sein, und gar oft werdet ihr schon bemerkt haben, wie die Fliege mit ihren sechs Füßchen auf einer aufrechtstehenden, allerfeinst polirten Fläche ebenso behende forttrippelt, wie auf einem Tische, der sich in horizontaler Lage befindet.

[FL 2.3] Sehet, das ist schon etwas Wunderbares, wenn ihr bedenket, daß auf einer aufrechtstehenden polirten Fläche ohne ein klebriges Bindungsmittel nicht einmal das allerleichteste Federflaumchen hängen bleibt, wie demnach der Fliege solches möglich sein kann, ohne Beihilfe eines klebrigen Mittels.

[FL 2.4] Es haben aber einige sehr thätige Naturforscher mittelst stark vergrößernder Kleinschauwerkzeugen gefunden, daß die Fliege — und alle Thiere ihres Geschlechts — an ihren Füßen zwischen zwei Krallen eine Art sehr elastischer hohler Glöckchen [in Klammern Symbol einer Glocke] angebracht haben, welche sie gleich reinen Luftrezipienten zum Verdünnen der Luft gebrauchen dürften, und zwar auf folgende Weise: Wenn da eine Fliege den einen oder den andern Fuß an eine aufrechtstehende Glasscheibe setzt, so sauget sie sobald die im Glöckchen befindliche Luft in sich, wodurch dann der mit dem luftleeren Glöckchen versehene Fuß von der Schwere der das Glöckchen von Außen umgebenden Luft sobald an der besagten Fläche festgehalten wird. —

[FL 2.5] Allein zu dieser Verrichtung müßte dann jede Fliege in sich eigene Luftpumpen haben; und in welcher Schnelligkeit müßten diese von einem unaussprechlich gewandten Mechaniker gehandhabt werden, damit sie dem äußerst geschwinden und allerunbestimmtest launigen Getrippel der Fliege völlig Genüge leisten sollten?!

[FL 2.6] Sehet, solches ist nicht leicht denkbar, obschon die Fliege ganz richtig im Besitze solcher scheinbarer Luftglöckchen ist; — wenn aber demnach die Fliege nicht auf die von den Naturforschern vermeinte Art sich mit den Füßen auf der besagten Fläche erhält, auf welche Art erhält sie sich hernach? Die Antwort wird aus der nachfolgenden Darstellung sehr leicht zu entnehmen sein.

[FL 2.7] Wenn ihr nur einmal eine Fliege recht aufmerksam betrachtet habet, so müßt ihr ja wohl bemerkt haben, daß die Fliege allenthalben an ihrem kleinen Körper mit kleinen Härchen und andern kleinen hornartigen Spitzen versehen ist, ja sogar das Flügelpaar an den äußersten Rändern mit einer Unzahl strahlenförmig auslaufender Spitzfederchen.

[FL 2.9] Diese Härchen und Spitzchen sind lauter wohltaugliche Elektrizitätssauger, und diese dadurch von der Fliege in sich gesogene Elektrizität strömt dem negativen Theile nach, welcher zugleich auch der anziehende oder zusammenziehende ist, unablässig fort durch die Füßchen in die schon bekannten Glöckchen, wodurch dann diese Theile sehr hungrig nach der positiven Elektrizität werden. Da sich aber diese vorzugsweise an den polirten Flächen aus der Luft ansammelt, so ist dann ja auch ganz natürlich, daß die Fliege auf jeder wie immer gestellten polirten Fläche zum Behufe ihres Gehens haften bleiben muß, indem schon alt bekanntermaßen entgegengesetzte Polaritäten sich immerwährend anziehen.

[FL 2.11] Aber, ihr werdet sagen, da geht es dann ja ganz natürlich zu; wie ist es demnach ein Wunder? — Worauf Ich euch freilich wohl nichts anderes zur Antwort geben kann, als: Je natürlicher euch eine Sache vorkommt, desto wunderbarer ist sie auch darum, weil es kein vergängliches und darum auch wenig nützendes, sondern ein bleibendes und demnach stets und für alle Zeiten wohlnutzendes Wunder ist für Den, der es in Meinem Namen beachten will, denn ihr brauchet nur ein wenig nachzudenken, und es muß euch sobald einleuchtend werden, an welchem Wunder da mehr gelegen ist, ob an dem Durchzuge der Israeliten durch das rothe Meer, oder ob an der Beständigkeit eines fruchttragenden Baumes, der heut zu Tage noch dieselben Früchte trägt, die er getragen hat zu den Zeiten Adams, und an unserer Fliege, die heutzutage noch dieselbe ist, als wie sie um sehr viele Millionen Jahre vor Adam war! Urtheilet nun selbst, welches Wunder sonach größer und wichtiger ist?

[FL 2.12] Wenn demnach die Fliege sowohl vermöge ihrer Entstehung als vorzugsweise zufolge ihres Fortbestehens und allerzweckdienlichsten Gebrauches aller ihrer lebensfähigen Bestandtheile und ganz besonders zu Folge ihrer noch bis jetzt ganz unbekannten doppelten Nützlichkeit eine wunderbare, ja großwunderbare Erscheinung von Mir benannt wird, so kann ja das Gehen einer Fliege auf einer polirten Fläche mit beiweitem größerem Rechte ein Wunder genannt werden, — wovon sich jeder Mensch noch täglich überzeugen kann, wenn er je nur einigermaßen diese Erscheinung in seinem Herzen gewürdiget hat, — als der Einsturz der Mauern Jericho's durch den Posaunenschall, unter Anführung Josua's.

[FL 2.13] Denn das Erste geschieht noch tagtäglich zahllosfach vor eueren Augen, während vom Zweiten außer in der Schrift auf der ganzen Erde keine Spur mehr vorhanden ist. Wer demnach von dem wunderbaren Einsturze Jericho's einen Nutzen schöpfen will, der muß dieses Faktum vorerst schwerfällig blindlings glauben, während er an einem Sommertag von mehr denn tausend solchen Großwundern erster Art heimgesucht wird, die ihm alle oft schon überlästig zurufen: „Sieh', du stolzer hochmüthiger Mensch, wie reichlich hat der große heilige Schöpfer lebendige Wunder um dich geschaffen, und lebendig erkennein dir, wie nahe dir der Herr des Lebens ist!“ —

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